Tag: Mittlelalter

Die Börse: vom Gasthaus Ter Buerse bis Wallstreet

Im vergangenen Jahr wurden wir alle mit der Wirtschaftskrise konfrontiert. Auch die Börsen hatten schwer zu kauen. Die amerikanischen wie die europäischen Börsen gaben nach und der BEL 20 brach ein. Die Fortis-Aktie, die man anfänglich für stabil gehalten hatte, begann ihren Sturzflug. Die Börse ist für uns heute ein bekanntes Wort, aber wo, wann und wie ist der Aktienhandel denn nun eigentlich entstanden?

Der Sterling als Handelsmünze

In der Geschichte schafften es nur wenige Münzen zur internationalen Handelsmünze. Um auch außerhalb ihres eigenes Emissionsgebiets anerkannt zu werden, musste eine Münze eine Reihe von Voraussetzungen in Bezug auf ihr Gewicht, ihren Gehalt und Wert erfüllen und weithin bekannt sein. Mit Ende des 12. Jahrhunderts wurde der englische Sterling diesen Bedingungen mehr als gerecht. Er hatte in ganz Nordwesteuropa den Ruf einer bewährten und starken Währung.

Der Vierlander, ein Vorläufer des Euro. Die Anfänge einer Währungsunion

Seit der Erfindung des Geldes haben viele Regionen, Städte, Länder und Völker ihre eigenen Zahlungsmittel eingesetzt. Hierdurch ist eine enorme Vielfalt an Währungen entstanden. Der Euro, der heute in immer mehr Ländern als Zahlungsmittel verwendet wird, ist das Ergebnis eines langwierigen Prozesses, der zur europäischen Währungsunion führte. Der Vierlander (= vier Länder), eine Silbermünze aus dem 15. Jahrhundert, die wir diesen Monat vorstellen, gehört zu den frühen Wegbereitern der Währungsunion.

Der Wechseltisch

Manch einer wird sich fragen, warum mitten im größten Ausstellungsraum des Museums der Belgischen Nationalbank, in dem die Geschichte des Geldes erzählt wird, ein Holztisch steht. Die Antwort ist recht einfach: Dieser Tisch gehörte einem Geldwechsler, der nicht nur Geld wechselte (wie die Berufsbezeichnung schon andeutet), sondern auch als Bankier tätig war. Im späten Mittelalter hielten die ersten Geldwechsler Einzug in die niederländischen Städte. Betrachtet man die ungeheure Vielfalt der sich zu jener Zeit im Umlauf befindlichen Währungen, wird einem sofort klar, welch wichtige Rolle Geldwechsler im mittelalterlichen Wirtschaftsleben spielten.

Die Fleur-de-Lys in Brabant?

Eine unter der Herrschaft des Herzogs von Brabant – Heinrich I. (1190-1235) – ausgegebene Münze soll genauer unter die Lupe genommen werden. Auf der Vorderseite ist der Brabanter bis zur Hüfte und in Waffen dargestellt: Helm, zweischneidiges Schwert und Schild mit Löwe. Dieses Tier, das sich als Symbol für Macht ab der Herrschaftszeit von Heinrich I. auf den Wappen der Herzöge von Brabant befindet, ist auch auf der Rückseite zu sehen. Eine Besonderheit des Silberdeniers, der 0,81 g wiegt, ist die Fleur-de-Lys auf dem Helm des Herzogs.