Der 500 BEF-Schein „van Orley“  Share

Vom 20. Februar bis zum 26. Mai 2019 zeigt eine Ausstellung im BOZAR Werke des Brüsseler Renaissance-Künstlers Bernard van Orley. Eine hervorragende Gelegenheit, den belgischen 500 Franc-Schein näher zu betrachten, den ein Porträt dieses Künstlers aus dem 16. Jahrhundert schmückt.

Der 1962 in Umlauf gebrachte 500 Franc-Schein ist der zweite in einer Reihe mit Wissenschaftlern und Künstlern aus dem 16. Jahrhundert. Die auch als „Van Orley-Schein“ bezeichnete Banknote mit dem Konterfei Bernard van Orleys wurde 1982 aus dem Verkehr gezogen. Auf der Rückseite ist Margarete von Österreich zu erkennen, Statthalterin der Niederlande und Tante von Kaiser Karl V. Dadurch soll die Verbindung zwischen dem angesehenen Renaissance-Künstler und der Dynastie der Habsburger zur Geltung gebracht werden.

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EIN BEKANNTER BRÜSSELER MALER

Van Orley erblickte um das Jahr 1488 im Raum Brüssel das Licht der Welt und machte sich in Künstlerkreisen schon bald einen Namen. Er erfreute sich rasch einer gewissen Bekanntheit, die ihn bis in die Herrscherkreise der damaligen Zeit führen sollte. Nach seiner Beförderung zum offiziellen Hofmaler 1518 unter der Herrschaft von Margarete von Österreich, der Tante des späteren Karls V., wurde van Orley zu ihrem Protegé. Die Herrscherfamilie gab hauptsächlich Porträts bei ihm in Auftrag.

 

1527 geriet Bernard van Orley in den Fokus der Inquisition, weil er den Predigten eines abtrünnigen Pfarrers gelauscht hatte, behielt aber nach seiner Freilassung seinen Titel. Danach setzte er sein Werk fort, arbeitete an Wandteppichen und Kirchenfenstern, aber auch an Gemälden im traditionelleren Stil, darunter Porträts von Maria von Ungarn, der Nachfolgerin Margarete von Österreichs. Mit dem 500 Franc-Schein soll dieser angesehene Renaissance-Künstler ebenso wie seine Mentorin, Margarete von Österreich, gewürdigt werden, die ebenfalls die Vergangenheit unserer Regionen geprägt hat.

 

DER 500 BEF-SCHEIN

  • ALLGEMEINES

Der Van Orley-Schein gehört zur ersten von drei Serien, die berühmten Künstlern und Wissenschaftlern gewidmet sind. Schließlich war die Kunst, zusammen mit dem Handel, der Industrie und den Wissenschaften schon immer eine fast unerschöpfliche Inspirationsquelle für die Künstler, die für die Erstellung von Modellen für belgisches Papiergeld zuständig waren und ihrerseits oft erfahrene Maler und Künstler waren. Die Belgische Nationalbank bemüht sich mit ihrem Papiergeld, diese Disziplinen in den Vordergrund zu stellen.

Porträts selbst erschienen relativ spät auf den Banknoten der Nationalbank. So setzten Geldscheine aus dem 19. Jahrhundert eher Allegorien und Figuren der Mythologie in Szene, die abstrakte Ideen und Konzepte verkörpern. Erst in der Zeit des Ersten Weltkriegs tauchten die ersten realistischen Porträts auf Banknoten auf und stellten Mitglieder der Königsfamilie dar. In diese Zeit fiel auch die zunehmende Darstellung wirklichkeitsgetreuer Porträts auf Banknoten.

 

  • KÜNSTLERISCHE ARBEIT UND VERFAHREN

 

Für den 500 BEF-Schein wandte sich die Nationalbank an den Italiener Florenzo Masino-Bessi, der bereits seit 1953 für sie arbeitete. In diese Zeit fiel auch die erste Anwendung einer neuartigen Druckpresse für Drei-Farben-Tiefdruck in der Druckerei der BNB, der durch den Italiener Gualtiero Giori entwickelt wurde. Der römische Künstler Florenzo Masino-Bessi setzte diese neue Technologie optimal ein. 1955 legte Masino-Bessi einen Entwurf mit Mercator auf der Vorder- und Atlas auf der Rückseite vor, wobei die beiden Seiten im Mehrfarben-Tiefdruck mit einem Offset-Hintergrund gedruckt werden. Der Vorstand der Nationalbank entschied sich rasch und einstimmig für dieses Projekt und gab beim Zeichner weitere Platten in Auftrag, um eine in puncto Verfahren und Darstellung einheitliche Banknotenserie vorzubereiten. Ein Ergebnis war die Van Orley-Banknote.

 

BP_500Van Orley04Für die Darstellung Bernards van Orley scheint Florenzo Masino-Bessi einen Kupferstich des Renaissance-Künstlers Philippe Galle als Vorlage verwendet zu haben und nicht das BP_500Van Orley02Selbstporträt van Orleys selbst. Man errät eine Palette und einen Teil der rechten Hand, die den Pinsel hält, neben dem Oberkörper; der heilige Michael, Schutzpatron von Brüssel, der Geburtsstadt van Orleys, ist ebenfalls auf der Vorderseite der Banknote abgebildet. Auf der BP_500Van Orley07Rückseite stellt der italienische Künstler die Beziehung zwischen Bernard van Orley und dem Hof der Habsburger dar, allen voran mit Margarete von Österreich, der Statthalterin der Niederlande, deren Konterfei auf dem Geldschein abgebildet ist. Ihr von van Orley gezeichnetes Porträt wird vor dem Hôtel de Savoie, ihrem Palast in Mechelen, dargestellt. Unten links erscheinen in kleiner Schrift die Namen der Kupferstecher, die das von Masino-Bessi vorbereitete Muster verwendet haben. Die Buchstaben „SC“ neben diesen Namen stehen für den lateinischen Begriff sculpsit, was „hat gestochen“ bedeutet. Das von Henri Decuyper auf Metall gestochene Antlitz Margaretes von Österreich kommt durch den Relief-Effekt des Tiefdrucks besonders zur Geltung, während das Holzstichverfahren von Charles Leclercqz für den Palast ein absolut ebenes Ergebnis erzielt.

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ZUSAMMENFASSUNG

Der auch als van Orley-Note bezeichnete 500 Franc-Schein gehörte zur ersten der insgesamt drei Serien, die berühmten Künstlern und Wissenschaftlern gewidmet sind und, im Falle des vorliegenden Geldscheins, insbesondere an Persönlichkeiten erinnern, die das 16. Jahrhundert geprägt haben. In dieser Serie besteht eine gewisse Einheitlichkeit in der ikonografischen Gestaltung der Banknoten. Auf der Vorderseite dominieren stets das Porträt des eigentlichen Subjektes (hier van Orley) und Bezugnahmen auf seine Geburtsstadt. Die Rückseite zeigt eine zweite Persönlichkeit, die fast immer mit einem historischen Gebäude[1] (in diesem Fall Margarete von Österreich mit ihrem Palast in Mechelen) und einem Guilloche-Muster mit den Ziffern dargestellt ist, die den Nennwert des Geldscheins ausdrücken. Die 500 Franc-Banknote wurde ab 1962 in Umlauf gebracht und 1982 wieder aus dem Verkehr gezogen. Insgesamt wurden 135.868.000 Exemplare gedruckt, als Teil des Strebens nach Exzellenz beim Druck von Banknoten, die von der Belgischen Nationalbank gewünscht und empfohlen wurde.

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LITERATURHINWEISE

Smal Anthony & Van Damme Ingrid, Le billet de banque belge. Het Belgische bankbiljet, CD-Rom, Museum der Belgischen Nationalbank, Brüssel, Belgische Nationalbank, 2001.


[1] Einzige Ausnahme ist die 1.000 Franc-Note.

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