Die wunderbare Geschichte der Madame de Nettine  Share

Am 5. Mai feiert die BNB ihren 167. Geburtstag. Ebenso gut hätte es ihren 256. Geburtstag sein können, hätte es nicht Barbe-Louis-Josèphe de Nettine (1706-1775) gegeben, um dies zu vereiteln. Das Museum der BNB erklärt Ihnen haargenau wie es so gekommen ist.

Dass eine Frau an der Spitze eines Unternehmens oder einer Regierung steht, wundert heute niemanden mehr. Aber unter dem Ancien Régime vor der französischen Revolution ist das doch eher eine Seltenheit. Daher verdient Madame de Nettine, Staatsbankerin der österreichischen Niederlande im 18. Jahrhundert, besondere Erwähnung.

Barbe-Louise-Josèphe Stoupy, Witwe von Matthias Nettine. Bleistiftzeichnung nach Joseph Bernard, 1763. © Yale University Art Gallery, New Haven

Barbe-Louise-Josèphe Stoupy, Witwe von Matthias Nettine. Bleistiftzeichnung nach Joseph Bernard, 1763. © Yale University Art Gallery, New Haven

Die von 1713 bis 1794 bestehende Regierung der österreichischen Niederlande bedient sich bei der Verwaltung ihrer Finanzen der Unterstützung von Privatbanken. Dadurch kann der Staat auf einen kostspieligen Verwaltungsapparat verzichten. Die Privatbank erhält ihrerseits Provisionen und konsequent Zugriff auf ein Betriebsvermögen, mit dem sie ihre privaten Bankgeschäfte abwickeln kann.

1744 übernimmt Mathias Nettine oder besser gesagt die Banque Nettine die Rolle des staatlichen Kassenwartes. Nach seinem Tod übernimmt seine Witwe und Mutter seiner sechs Kinder, Barbe-Louise-Josèphe, diese Aufgabe und führt die Bankgeschäfte ihres verstorbenen Gatten erfolgreich fort. Dabei ist es nicht unbedingt ein Nachteil, Witwe zu sein. Befreit von der Vormundschaft ihres Gatten, verfügt sie auch über die erforderlichen materiellen und finanziellen Ressourcen für ein solches Unternehmen…

Quittung der Generalgouverneure für die „Bank der Witwe Nettine und Sohn, unser Schatzmeister“ für eingezogene Staatseinnahmen, Brüssel, 31. Dezember 1785 (Inv.nr. M8625)

Quittung der Generalgouverneure für die „Bank der Witwe Nettine und Sohn, unser Schatzmeister“ für eingezogene Staatseinnahmen, Brüssel, 31. Dezember 1785 (Inv.nr. M8625)

Als Staatsbankerin spielt Madame Nettine eine wichtige beratende Rolle für die Regierung unter dem bevollmächtigten Minister Cobenzl, einer Art Premierminister, der ihre große Geschicklichkeit bei Geschäften erkennt. Außerdem hat sie ein gutes Gespür und wird zur Teilhaberin mehrerer Manufakturen und Handelskompanien.

Als Zeichen ihrer engen Verbindung zur Macht wird ihr 1758 von Kaiser Maria-Theresia der Titel Vicomtesse verliehen und sie wird zu Madame „de“ Nettine. Ihr Einfluss auf Minister Cobenzl wird so groß, dass ihre abschlägige Meinung ausreicht, um ihn zu überzeugen, die geplante Errichtung einer Nationalbank in den südlichen Niederlanden abzubrechen, höchstwahrscheinlich weil sie den Interessen der Witwe zuwiderläuft. Deshalb entstand diese Institution erst fast ein Jahrhundert später mit der 1850 errichteten der Belgischen Nationalbank.

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