Zu den Münzen bitte hier! Die Entdeckung des Schaltersaals der Nationalbank  Share

Hatten Sie bereits Gelegenheit, sich in den beeindruckenden Schaltersaal der belgischen Nationalbank zu begeben? Haben Sie eine Vorstellung davon, wie er aussehen könnte, und von den Gründen, aus denen man ihn als Privatperson aufsucht? Der Zutritt erfolgt über den Haupteingang der BNB, der nur wenige Schritte vom temporären Museum entfernt liegt. Die Gelegenheit ist gekommen, ihn unter die Lupe zu nehmen.

Aktuelle Ansicht des Schaltersaals © Museum der Nationalbank

Aktuelle Ansicht des Schaltersaals © Museum der Nationalbank

Der Schaltersaal ist, wie der gesamte Sitz der Nationalbank, das Werk des am 7. Juni 1900 geborenen Brüsseler Architekten Marcel Van Goethem, der am 1. Februar 1940 in den Dienst der Nationalbank getreten ist. Auch das neue Munthof geht auf ihn zurück und er war der Hauptarchitekt der Weltausstellung von 1958 in Brüssel. Darüber hinaus war er Lehrbeauftragter für Zivilarchitektur an der Université libre de Bruxelles. Die Bank von Ceylon vertraute ihm ebenfalls die Erstellung der Pläne für ihren neuen Sitz in Colombo an, er verstarb jedoch am 1. Juni 1960, bevor er sein Werk vollenden konnte.

Konstruktion des aktuellen Gebäudes der Nationalbank © Museum der Nationalbank

Konstruktion des aktuellen Gebäudes der Nationalbank © Museum der Nationalbank

Der Grundstein des Gebäudes wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs, am 20. Januar 1948 gelegt. Dieses setzt sich aus zwei unterschiedlichen Teilen, Verwaltung und Banknotendruckerei, zusammen, die durch eine 32 Meter lange unterirdische Passage miteinander verbunden sind. Der Schaltersaal besteht aus zwei großen, etwa 200 Meter langen Sälen mit einer Höhe von mehr als acht Metern, die durch eine zentrale Treppe voneinander getrennt sind. Diese Säle sind als Antwort auf die Säulen, die die Hauptfassade des Gebäudes kennzeichnen, durch Doppelsäulen charakterisiert. Die Säulen der Fassade verfügen über eine damals moderne Beleuchtung aus Leuchtstoffröhren. Zudem wird durch sie das Regenwasser der Bedachungen verborgen. Auf der Doppelsäulenkolonne ruht eine leicht gewölbte Decke. Diese befindet sich unterhalb zweier immenser Bedachungen aus Glas und Metall und besteht aus mehr als 9.000 quadratischen Flächenelementen aus weißem durchscheinendem Polycarbonat, die als wahrhafte Lichtkapsel wirken. Dank deren Pyramidenform sammelt sich darauf kein Staub an, der stattdessen zu den Metallwinkeln der Struktur gleitet. Dadurch ist das Licht umso weniger getrübt und Wartung und Pflege werden erleichtert. Der Saal wird daher ständig vom natürlichen Tageslicht durchflutet, dessen Intensität je nach Jahreszeit oder Wetter schwankt.

Ansicht des Saals in den 50-er Jahren © Museum der Nationalbank

Ansicht des Saals in den 50-er Jahren © Museum der Nationalbank

Metallstruktur der Verglasung des Schaltersaals © Patrick Van Den Branden, BNB

Metallstruktur der Verglasung des Schaltersaals © Patrick Van Den Branden, BNB

Die Verglasung befindet sich seit Mitte Januar in Restaurierung. Mit den sich über zwei Jahre erstreckenden Arbeiten wird ein doppelter Zweck verfolgt. Die vorhandene Stahlstruktur der Verglasung musste aufgrund ihres verschlissenen Zustands dringend ersetzt werden. Sie war für Wartungs- oder Reparaturarbeiten inzwischen zu zerbrechlich geworden. Mit der Baustelle wird zudem beabsichtigt, die Isolierung der Gebäude zu verstärken, indem eine zweite Verglasung in Höhe des vierten Stocks des Gebäudes angebracht wird. Dadurch wird ermöglicht, die Wände und Rahmen unberührt zu lassen.

Projekt zur Restaurierung der Verglasung des Schaltersaals © Ney&DOK Architecten

Projekt zur Restaurierung der Verglasung des Schaltersaals © Ney&DOK Architecten

Wie das gesamte Gebäude der Nationalbank entspricht der Schaltersaal der Zweckbestimmung des Gebäudes. Während nämlich die Würde des Orts durch den monumentalen Charakter der Architektur deutlich wird, wird das Vertrauen, das die Währungshüterin erweckt, durch sichtbare Sicherheitsvorrichtungen wie Blindwände betont. Die nüchterne Linienführung der Fenster und Säulenkolonnen trägt ihrerseits dazu bei, den zweckgebundenen Charakter der Institution zu bekunden.

Der Besucher kann im Schaltersaal der BNB, über die Bewunderung der klaren und beeindruckenden Architektur hinaus, verschiedene Transaktionen tätigen. Gleich beim Eintreten ist er aufgefordert, auf einem Berührungsbildschirm das gewünschte Geschäft auszuwählen, um damit ein Ticket zu erhalten, mit dem er an den dementsprechenden Schalter verwiesen wird. Er kann insbesondere, sofern er noch darüber verfügt, die von der Nationalbank seit 1944 ausgegebenen Banknoten in belgischen Francs in den Gegenwert in Euro umtauschen. Ende 2014 waren nämlich noch mehr als 15 Millionen Banknoten in belgischen Francs aller Stückelungen in Umlauf.

Berührungsbildschirm am Eingang des Schaltersaals © Museum der Nationalbank

Berührungsbildschirm am Eingang des Schaltersaals © Museum der Nationalbank

Gleichfalls sind häufig Bürger mit einem Beutel mit Münzen in Euro anzutreffen, die in deren Gegenwert in Banknoten der gleichen Währung umgetauscht werden sollen. Die Bank gestattet den kostenlosen Umtausch von höchstens fünf Kilo Münzen pro Monat und Person. Am Eingang des Saals steht eine Waage zur Verfügung und es ist zudem nicht erforderlich, die Geldmünzen zu sortieren. Der Umtausch von Banknoten in Euro in Münzen in Euro erfolgt seinerseits in Höhe von maximal 3.000 Euro monatlich. Darüber hinaus können auch beschädigte Banknoten in Euro in eine neue Stückelung umgetauscht werden, sofern die Beschädigung unbeabsichtigt war und mehr als die Hälfte der Oberfläche der Banknote intakt ist.

Die BNB ist gleichfalls für die Verwaltung der Zentrale für Privatkredite und der Zentrale für Unternehmenskredite zuständig. Im Rahmen ersterer werden die von natürlichen Personen zu Privatzwecken abgeschlossenen Kreditverträge sowie etwaige Zahlungsverzüge bei diesen Krediten registriert. Die Zentrale wird von den Kreditgebern vor der Kreditgewährung automatisch konsultiert. Die Verbraucher können ebenfalls eine Übersicht über die zu ihrem Namen in der Datei der Zentrale gespeicherten Daten einholen. Sie haben die Möglichkeit, dies über das Internet oder per Post abzuwickeln, jedoch auch, indem sie sich direkt in den Schaltersaal der BNB oder einer ihrer Geschäftsstellen begeben. Die Zentrale für Unternehmenskredite übernimmt eine gleichwertige Rolle für die juristischen Personen wie Gesellschaften und natürlichen Personen wie Privatpersonen im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit gewährten Kredite.

An den Wertpapierschalter schließlich begibt man sich für die Zahlung aller fälligen Staatswertpapieren und –kupons bei Fälligkeitstag.

In der Praxis ist der Schaltersaal von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 15.30 Uhr geöffnet. Nehmen Sie sich die Zeit für einen Besuch und werfen Sie einen Blick, falls Sie es noch nicht getan haben!

Stéfane Antoine
Museumsführerin

Bibliografie

  • „Nicht umgetauschte belgische Banknoten“ unter „Nicht umgetauschtes belgisches Geld“ unter „Belgisches Geld“ unter „Münzen und Banknoten“ unter Belgische Nationalbank, 2015, 04.02.2015.
  • Kreditzentrale“ unter Belgische Nationalbank, 2015, 06.02.2015.
  • Journées du patrimoine. Région de Bruxelles-Capitale. 1900-2000. Un siècle d’architecture et d’urbanisme. Banque nationale de Belgique. Hall Van Goethem.
  • Kauch P., Les bâtiments de la Banque nationale de Belgique à Bruxelles, Brüssel, 1964.
  • Marcel Van Goethem. Architecte D.P.L.G. Œuvres et études. 1940-1959, Brüssel, Nationalbank, ohne Datum.
  • Privatpersonen und Schulen“ unter Belgische Nationalbank, 2015, 04.02.2015.
  • Van Goethem M., „Immeuble de la Banque nationale à Bruxelles“ in Rythme, Nr.15, Juni 1953. 

Danksagung an Marleen Reeskens, Leiterin der Abteilung des Dienstes für Ausrüstung und Technologie, für die zur Restaurierung der Verglasung bereitgestellten Informationen und Abbildungen.