Bezahlen? Ja, aber wie?  Share

Wussten Sie, dass wir den allerersten Geldautomaten dem schottischen Erfinder John Sheperd-Barron (1925-2010) zu verdanken haben? Geld „aus dem Automaten zu ziehen“ war zum ersten Mal 1967 in London möglich. Kaum ein Jahr später wurde 1968 auch in Belgien der erste Geldausgabeautomat installiert.

In den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts eröffneten die Belgier scharenweise ein Bankkonto und das Giralgeld gewann immer mehr an Bedeutung. Gehälter wurden nicht länger bar ausbezahlt, sondern wurden vom Arbeitgeber direkt auf das Konto des Arbeitnehmers überwiesen.

Als Alternative für Bargeld stiegen Schecks vor allem ab 1972 besonders in der Beliebtheit. Das war das Jahr, in dem die Eurochequekarte eingeführt wurde, die zunächst jede Bezahlung bis 5 000 BEF (123,95 €) und später bis 7 000 BEF (173,53 €) garantierte. Abenteuer, die in ferne Länder reisten, taten dies mit einem Bündel Travellerschecks (Reiseschecks) in der Tasche. Am Bestimmungsort wurden die Schecks bei einer lokalen Bank in die örtliche Währung eingetauscht.

Überweisungen bürgerten sich immer mehr ein. 1971 bedeuteten die Einführung einer einheitlichen Struktur für Kontonummern („3-7-2“-System) und eines standardisierten Überweisungsformulars eine echte Revolution für die belgische Finanzwelt. Die Standardisierung ermöglichte 1974 auch die Gründung des Austausch- und Verrechnungszentrums CEC. Unter anderem Gouverneur Robert Vandeputte von der Belgischen Nationalbank spielte hierbei eine wichtige Rolle als Vermittler und Koordinator.

Bankkarten wurden vollwertige Debitkarten, deren Nutzern empfohlen wurde, sich ihre PIN (Personal Identification Number) gut einzuprägen, notfalls mithilfe einer Eselsbrücke. 1980 probierten Tankstellen als erste die Nutzung von Zahlungsterminals aus. Tankstellen profitierten davon, weniger Bargeld in der Kasse zu haben und auch außerhalb der Öffnungszeiten ihren Kunden dienen zu können. Kurz danach folgten die Kaufhäuser und Supermärkte. Auch für sie bedeutete elektronische Bezahlung im Vergleich zu Bargeld und Schecks eine wesentliche Erleichterung ihrer Verwaltung. Seither sind die Self-Service-Terminals und die Zahlungsterminals nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken.

Die Kreditkarte, die auf dem Prinzip des Zahlungsaufschubs basiert, ist eine amerikanische Erfindung. Belgien musste bis 1979 warten, bevor die Eurocard Belgium-Luxembourg eingeführt wurde. Ihren echten Durchbruch erlebte die Kreditkarte erst ab 1988.

Nachdem 1990 das publikumsfreundliche Internet oder World Wide Web erfunden worden war (durch den Briten Tim Berners-Lee und den Belgier Robert Cailliau), folgten neue Zahlungsarten besonders schnell aufeinander. Die Art, wie Belgier ihre Zahlungen ausführten, entwickelte sich auch weiterhin fort und es kamen stets neue Zahlungsmöglichkeiten auf: Telefonbanking, die elektronische Geldbörse, Handypayment per SMS, Homebanking, Bezahlung per App für Smartphones usw. Manche davon gehören inzwischen auch schon wieder der Geschichte an, andere wurden gerade erst lanciert. Der definitive Wechsel im Jahr 2014 auf SEPA (Single Euro Payments Area) und die Umstellung von nationalen Kontonummern mit 12 Ziffern auf eine europäische IBAN mit 16 Zeichen ist ein wichtiges europäisches Projekt, dessen Ziel die Schaffung eines einheitlichen Marktes für die Bezahldienste ist.   

Sehen Sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr? Im Museum der Belgischen Nationalbank finden Sie einige prägnante Gegenstände und Dokumente, die diese Geschichte illustrieren. Eine übersichtliche Darstellung des zeitlichen Ablaufs sorgt zudem dafür, dass Sie alles chronologisch gut einordnen können. Und während ihrer Führungen gehen die Museumsführer natürlich ausführlich auf dieses Stück jüngster Vergangenheit ein. Eine Führung können Sie telefonisch (32 2 221 22 06), per E-Mail (museum@nbb.be) oder online (http://www.nbbmuseum.be/nl/booking) buchen.

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