Fürstenporträts in unserem Portemonnaie  Share

Als König Albert II. vor einigen Monaten beschloss abzutreten und sein Sohn Philippe ihm nachfolgte, bedeutete dass nicht nur, dass unser Land einen neuen König hat, sondern brachte auch eine Änderung in unserem Portemonnaie mit sich. Denn auf den belgischen Euromünzen wird stets das Porträt unseres Monarchen abgebildet. Fürsten sind die Einzigen, denen die Ehre zuteilwird, zu Lebzeiten auf einer Münze oder einem Geldschein abgebildet zu werden. Es ist also höchste Zeit, uns das Fürstenporträt in dieser Ausgabe des „In de kijker“ etwas näher anzusehen.

Münzen schlagen, ein königliches Privileg

MuntenDSeit Einführung des belgischen Franken im Jahr 1832 stand das Münz-prägerecht allein dem König zu. Daher verwundert es nicht, dass die belgischen Könige von Beginn an auf den Münzen abgebildet wurden. Die ersten Gold- und Silbermünzen zeigten den Monarchen mit einem Eichenkranz, dem Symbol für Tatkraft, Weisheit und Umsicht. Die Blickrichtung des Königs hing vom Wert der Münze ab. Auf den wertvollen Goldmünzen weist sein Blick nach rechts in Richtung Zukunft. Auf den Silbermünzen hingegen schaut er nach links zurück in die Vergangenheit. Auf den Kupfermünzen fand sich kein Bildnis des Monarchen, sondern nur sein Monogramm. Auch wenn der Eichenkranz mit den neuen Münzen von 1848 verschwunden war, so blickten Leopold I. und Leopold II. jeweils entsprechend dem Wert der Münzen in eine andere Richtung. Diese Tradition wurde 1909 aufgegeben, als die Münzen mit dem Bildnis Alberts I. in Umlauf gebracht wurden. Von diesem Zeitpunkt an wurde der König fast nur noch mit seinem linken Profil abgebildet. Eine Ausnahme hiervon bildeten die 5-Franken-Münzen mit dem Bildnis Leopolds III, die während des Zweiten Weltkriegs in Umlauf waren.

Vorderseite 5 Belgische Franken, Typ1986. © Museum der Nationalbank Belgien

Vorderseite 5 Belgische Franken, Typ1986. © Museum der Nationalbank Belgien

Die Könige wurden nahezu immer auf die gleiche Weise abgebildet: das Profil mit strengem Blick. Eine Ausnahme hiervon bildeten 1986 und 1987 die 5- und 50-Frankenstücke aus der Hand Jean-Paul Laenens. Ihm war es gelungen, eine Münze nicht flächig, sondern eher skulptural anzugehen. So wurde dem Antlitz König Baudouins eine gewisse Tiefe verliehen. Die runde Oberfläche ist in drei gleiche Teile aufgegliedert: die künstlerische Wiedergabe des föderalen Belgiens.

Ab 1887 wurde das Niederländische in die Münzprägung aufgenommen. Künftig waren Münzen in Umlauf, die sowohl niederländische als auch französische Aufschriften trugen. Dies blieb so bis 2002, als der belgische Franken dem Euro weichen musste. Es ist auffallend, dass auf der Vorderseite nur das Königsporträt abgebildet war und sich der Wert umseitig fand. Der Verweis auf die Monarchie war also stets von erheblicher Bedeutung.

Mit dem Tod Baudouins im Jahre 1993 gab die Königliche Münze die Gewohnheit auf, beim Tod eines Monarchen alle Münzen zu ersetzen, zumal dies im Hinblick auf die geplante Euroeinführung praktischer war. So erklärt sich, dass zwischen 1993 und 2002 gleich viele Münzen mit König Baudouin sowie mit König Albert II. in Umlauf waren.

Banknoten: Ausdruck des Patriotismus

Da Druck und Ausgabe von Geldscheinen anfänglich den Privatbanken vorbehalten waren, wurden die königlichen Porträts erst relativ spät auf den Banknoten abgebildet. Die Nationalbank wurde 1850 gegründet und besaß künftig das Monopol für die Ausgabe von Banknoten. Doch änderte dies zunächst nur wenig am Aussehen der Banknoten. Während des gesamten 19. Jahrhunderts schmückten Allegorien und vor allem der Wert der Note die Geldscheine. Im Ersten Weltkrieg wurde dies geändert. Die Nationalbank brachte 1914 die ersten Banknoten mit dem Medaillonporträt Leopolds I. in Umlauf. Ein Jahr später brachte die Société Générale gleichartige Banknoten in Umlauf, auf denen die erste Königin Louise-Marie abgebildet war.
Nach dem Krieg wurde die Nationale Serie mit den Porträts des damaligen Königspaars, Albert I. und Elisabeth in Umlauf gebracht. Diese Banknoten wurden bis zum Zweiten Weltkrieg verwendet, die erst den echten Durchbruch der Königsbildnisse auf den Geldscheinen darstellten. Die drei Stückelungen der Dynastieserie, die ab 1944 in Umlauf gebracht wurde, zeigten die Könige Leopold I., Leopold II. und Albert I. 1950 folgte die Jahrhundertserie, die erneut dieselben drei Könige schmückten. Leopold III. ist mit anderen Worten der einzige belgische König, dessen Porträt niemals auf einer Banknote abgebildet wurde. Später folgten noch die bekannten Schatzamtnoten von 20 und 50 Franken, die König Baudouin bzw. den Fürsten zusammen mit Königin Fabiola zeigten. 1992 brachte die Nationalbank eine Geldnote von 10.000 Franken in Umlauf, auf dem gleichfalls das Fürstenpaar abgebildet war. Diese Geldnote wurde aus dem Verkehr gezogen, nachdem die Bank beschlossen hatte, 1997 noch eine Geldnote mit dem neuen Königspaar Albert II. und Paola in Umlauf zu bringen. Mit der Einführung des Euro verschwand diese Banknote im Jahr 2002.

Vorderseite 10 000 Belgische Franken, Typ1992. © Museum der Nationalbank Belgien

Vorderseite 10 000 Belgische Franken, Typ1992. © Museum der Nationalbank Belgien

Der König schmückt den Euro

Landesseite der belgischen 2-Euro-Münze, Typ 2000. © Museum der Nationalbank Belgien

Landesseite der belgischen 2-Euro-Münze, Typ 2000. © Museum der Nationalbank Belgien

Mit der Einführung des Euro verschwand der König von den Banknoten und für die Landesseite der belgischen Euromünzen wurde ein Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben. Der gewinnende Entwurf zeigt das Profil König Alberts II. Aufgrund des Königswechsels vom 21. Juli dieses Jahres werden neue Münzen ausgegeben. Der Hausgraveur der Königlichen Münze Belgiens, Luc Luyckx – der auch die internationale Seite der Euromünzen entworfen hat – ließ seither dem neuen König eine Reihe von Entwürfen zukommen. Sobald König Philippe sein Porträt ausgesucht hat, werden die Münzen 2014 in Umlauf gebracht. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir massenhaft neue Münzen bekommen. Die Münzen mit dem Bildnis Alberts II. bleiben nach wie vor in Umlauf. Erst wenn neue Münzen benötigt bzw. alte dringend ersetzt werden müssen, kommen die Münzen mit dem Porträt Philipps in Umlauf. Sammler können allerdings ab Herbst 2013 eine Erinnerungsmünze von 20 Euro bei der Königlichen Münze erwerben. Hierauf findet sich das Doppelporträt von Vater und Sohn, des abgetretenen und des neuen Königs.

Laurence Verpoort
Museumsführerin

Bibliografie

  • Te Boekhorst B., Danneel M. & Randaxhe Y., Adieu frank. Het boeiende verhaal van België en zijn geld, Tielt, 2001.
  • De fraaie frank. Belgische munten en biljetten sedert 1830, Ausstellungskatalog, Museum der Belgischen Nationalbank, Brüssel, 1989.
  • Ghysens P., ‘Koning Filip kiest eigen munt’, dans Het Laatste Nieuws, 12. September 2013, S.15.
  • Het vorstenportret op munt en biljet (1830-1991), Ausstellungskatalog, Museum der Belgischen Nationalbank, Brüssel, 1991.

Mit Dank an Didier Vanoverbeek (Königliche Münze von Belgien) für seine Mitwirkung