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Rückblick auf die Genter Weltausstellung 1913

Die Sammlung des Museums der Belgischen Nationalbank umfasst nicht allein Münzen und Banknoten, sondern auch Medaillen. Anlässlich der 2013 stattfindenden Einhundertjahrfeier der Genter Weltausstellung von 1913 ist diese Ausgabe von In de kijker den seinerzeit im Rahmen dieser Ausstellung herausgegebenen Medaillen gewidmet.

Das Phänomen der Weltausstellungen besaß zwar schon eine lange Vorgeschichte, wurde aber erstmals 1851 in London mit der Great Exhibition of the Works of Industry of All Nations umgesetzt. Diese Ausstellung legte den Grundstein für ein Konzept, das bis zum Ersten Weltkrieg zu einem internationalen Erfolg wurde. Vor 1913 hatten bereits die Städte Antwerpen, Brüssel und Lüttich die Rolle als Gastgeber übernommen. Vom 26. April bis 3. November 1913 war die Welt nun nach Gent eingeladen.

Mit den Weltausstellungen kamen auch die Medaillen in Mode. Diese unterstrichen die Konkurrenz unter den Teilnehmerländern, die ihre neuesten und besten Erzeugnisse dem Rest der Welt vorstellten. Seit 1851 war es Tradition, dass eine Jury bestimmten Ausstellern eine Ehrenurkunde verlieh. Zusammen mit diesen vergab das “Internationale Preiskomitee” eine offizielle Bronzemedaille. Diese allgemein als Qualitätssiegel geltenden Auszeichnungen waren eine hervorragende Werbung für die jeweiligen Handelsprodukte. Daher überrascht es kaum, dass die mit einer Medaille ausgezeichneten Hersteller diese nur allzu gerne auf ihren Verpackungen und Briefköpfen abbildeten.

Die offizielle Ehrenmedaille wurde von Godefroid Devreese entworfen, einem der renommiertesten Medaillenschmiede seiner Zeit. Auf der Medaille ist der Hauptgedanke der Ausstellung wiedergegeben. Mittig auf der Vorseite findet man die Genter Jungfrau, das Symbol der Stadt und ihrer Weltausstellung. [1]

Die drei jungen Mädchen vor ihr spiegeln das Ideal der Weltausstellung wider: das Hand-in-Hand von Kunst und Handel. Das erste der drei Mädchen hält eine Laute als Symbol der Kunst in Händen. Das dritte Mädchen trägt einen sogenannten ‘Caduceus”, einen Stab, mit dem Hermes bzw. Merkur als Gott der Kaufleute stets abgebildet wurden. Dies ist der Bezug auf den Handel. Das Mädchen in der Mitte führt kein Symbol mit sich, was seine Deutung entsprechend erschwert. Wahrscheinlich steht dieses Mädchen, das die beiden anderen in seinen Armen hält, für Eintracht, Zusammengehörigkeit und Zusammenarbeit von Kunst und Handel. [2]

Der Jungfrau folgt ein Arbeiter als Symbol der Industrie, der ein kleines Mädchen mit Blumen an der Hand bei sich führt. Letzteres versinnbildlicht die Gastfreundschaft der Stadt gegenüber den ausländischen Delegationen, die an der Ausstellung teilnehmen. Auch auf der Rückseite ist ein Aspekt der Ausstellung zu sehen. Dabei handelt es sich um ein Gewächshaus mit Blumen und Pflanzen, die auf die Genter Floralien-Schau verweisen, die ebenfalls im Rahmen der Ausstellung stattfand. Die beiden abgebildeten Frauen fertigen Blumengirlanden für die Preisträger und sind somit Sinnbild für die in Form der Medaille verliehene Anerkennung.

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Neben der offiziellen Auszeichnungsmedaille ließen bestimmt Abteilungen eigene Exemplare prägen. Ein Beispiel hierfür ist die ‘Oud-Vlaanderen[1] [5]. Es handelte sich um ein Stadtviertel mit rekonstruierten Gebäuden aus dem 15., 16. Und 17. Jh. Ursprünglich stand dies zwar in keinem Zusammenhang mit der offiziellen Weltausstellung, doch zog diese Sehenswürdigkeit so viele Besucher an, dass sie zu einem ihrer Höhepunkte wurde. Die Idee eines historischen Stadtviertels war keineswegs neu, war sie doch bereits 1883 erstmals umgesetzt worden. Oud-Vlaanderen verherrlichte die mittelalterliche Vergangenheit. Dies zeigt sich deutlich an der Medaille, auf deren Vorderseite ein Frauenbildnis in mittelalterlicher Kleidung zu sehen ist. Daneben finden sich die Wappen der drei Städte Gent, Ieper und Brügge.

Die Rückseite verweist erneut auf die Stadt Gent. Hier ist der Drachen des Genter Glockenturms abgebildet, darunter findet sich der Genter Wappenspruch “Hou ende Trou[2] [6]“. Auch dies ist ein Verweis auf die mittelalterliche Vergangenheit der Stadt und Flanderns.

Es gab genügend weitere Anlässe für die Fertigung von Medaillen. So wurden zahlreiche Medaillen für Ereignisse gefertigt, die zeitgleich zur Weltausstellung stattfanden. [7]

Unter anderem die königliche Einweihung des vertieften Kanals Gent-Terneuzen und des renovierten Glockenturms der Stadt. Die Medaillen zu diesen Feierlichkeiten zeigen dieselbe Abbildung auf der Vorderseite und auf der Rückseite wird der Anlass benannt. Auf der Vorderseite ist die sitzende Genter Jungfrau abgebildet, die sich auf dem wappengeschmückten Schild der Stadt abstützt. Daneben sind ein paar Bücher und ein Globus zu sehen. Links findet sich ein Löwe und die Jungfrau hält eine Fahne mit der Aufschrift S.P.Q.G. Dies ist ein Verweis auf ” Senatus Populusque Gandavensis”, den Stadtrat und die Einwohner von Gent. Der Hintergrund mit seinen Türmen und Fabrikgebäuden versinnbildlicht die Stadt.

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Medaillen blieben auch über das Ende der Weltausstellung hinaus populär. Sie dienten dann als Souvenirs. Da sie zum Verkauf angeboten wurden, waren solche Exemplare weitaus banaler gestaltet. Auf dem Exemplar aus der Hand von Auguste Bija findet sich im Hintergrund der Haupteingang zur Genter Weltausstellung vor einem Sonnenaufgang. [9]

Rückseitig verweist die Inschrift dann wieder auf die Ausstellung.

Zum Abschluss der Ausstellung wurden Danksagungen in Form von Medaillen vergeben. So erhielt unter anderem der Armand Hubert eine solche Medaille. Als Minister für Industrie und Handel war er eng in die Ausrichtung der Weltausstellung einbezogen. Die von Godefroid Devreese entworfene Medaille zeigt den Minister bei der Lektüre in seinem Arbeitszimmer. Nur auf der Rückseite findet sich ein Verweis auf die Weltausstellung. Hier findet man den Haupteingang mit der Inschrift “1913 Gent Ausstellung für Herrn Minister Arm. Hubert” in den beiden Landessprachen Niederländisch und Französisch.

Laurence Vepoort
Museumsführerin

Fotos 1 – 7: © Museum der Belgischen Nationalbank

Quellen:

Legende:

 [1] [11] Altes Flandern – – A. d. Ü

[2] [12] Liebe und sei treu. – – A. d. Ü