Die auf belgische Francs lautenden Banknoten der Serie Dynastie  Share

Es wird allzu oft vergessen, aber das Geld – sowohl Münzen als auch Banknoten – ist ein privilegierter Zeuge der Geschichte der Gesellschaft, in der es entstand. So finden sich natürlich große Persönlichkeiten und wichtige Ereignisse auf den Banknoten wieder. In diesem November konzentriert sich diese neue Ausgabe von Unter der Lupe auf eine ganz besondere Serie belgischer Banknoten, nämlich auf die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ausgegebene Serie Dynastie. Mit ihr wurde die Geschichte Belgiens in besonderer Weise gewürdigt.

Seit 1938 beabsichtigt die Nationalbank, eine neue auf belgische Francs lautende Banknotenserie herauszugeben, auf der erstmals die Kopfbildnisse der gesamten Dynastie der belgischen Könige abge­bildet sein sollten; daher trägt die Serie den Namen „Dynastie“. Zu Beginn waren vier Stückelungen vorgesehen: die 10 000-Francs-Note mit dem Kopfbildnis von Leopold I., die 1000-Francs-Note mit Albert I., die 500-Francs-Note mit Leopold II. und schließlich die 100-Francs-Note mit dem damals regierenden König Leopold III. Die Serie wurde zwar schon 1939 entworfen, aber durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geriet das Projekt durcheinander und wurde auf später verschoben.

Durch die deutsche Besatzung waren nämlich gleichzeitig nationale Münzen und Banknoten, die von einem deutschen öffentlich-rechtlichen Institut ausgegebenen Reichskreditkassenscheine sowie von den Gemeinden ausgegebenes Notgeld in Umlauf, und es gab sogar den Tauschhandel. Die Nationalbank verlor jedoch nie ihr Projekt der Dynastie-Serie aus den Augen und befasste sich eingehend mit der Entwicklung einer ganz neuen Drucktechnik, nämlich dem Tiefdruck. Dieser sollte das Hochdruckverfahren ersetzen und sowohl die Ästhetik der Banknoten als auch ihren Schutz gegen Fälschung erhöhen.

Leider war die Herstellung der Serie mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Zunächst wurde man sich der Tatsache bewusst, dass nach der Währungssanierung der Nachkriegszeit (die berühmte „Operation Gutt“) eine 10 000-Francs-Note zu hoch und folglich unnütz wäre. Folglich wurde sie nie ausgegeben. Leopold I. hatte also keine Banknote mehr mit seinem Kopfbildnis … theoretisch! Denn damals wurde in Belgien viel über das Königshaus polemisiert. Der König, der laut Kriegs­recht die belgischen Armeen befehligte, kapitulierte 1940 vor den Deutschen gegen den Willen der Regierung, die die Kämpfe weiterführen lassen wollte. Dieser einseitige Beschluss fügte der Popularität des Souveräns schweren Schaden zu. Dies ging soweit, dass es niemanden störte, dass das Kopfbildnis von Leopold III. auf der 100-Francs-Note durch das des ersten Königs der Belgier ersetzt wurde! So kam es, dass Leopold III. aufgrund wirtschaftlicher Zwänge und politischer Krisen keine Banknote für sich in Anspruch nehmen konnte. Bemerkenswert ist vor allem die Feststellung, dass ein so gewöhnlicher Gegenstand wie eine Banknote Zeuge und vor allem Ausdruck dieser geschichtlichen Unruhen war.

Abbildung 1 :Vorderseite des Musters der 100-Francs-Note mit dem Kopfbildnis von Leopold III., die nie ausgegeben wurde.. © Museum der Belgischen Nationalbank.

Aber die Probleme hörten damit nicht auf. Aufgrund der durch den Krieg her­vorgerufenen Umstände konnte auch die Serie Dynastie nicht im Tiefdruckverfahren hergestellt wer­den, wie vom Graveur und Zeichner Jules Vanpaemel vorgesehen, sondern ent­stand wieder im Hochdruck­verfahren. Außerdem musste 1945 auf die Hilfe der Banque de France zurückgegriffen werden, um die ersten sieben Millionen 500-Francs-Noten drucken zu können. Und als Krönung dieser schwarzen Serie stellte sich heraus, dass die Serie Dynastie leicht zu fälschen war…

Abbildung 2 :Vorderseite der 100-Francs-Note mit dem Kopfbildnis von Leopold I. © Museum of the National Bank of Belgium.

Blicken wir jetzt auf die drei Stückelungen, die in Umlauf gegeben wurden. Jede von ihnen illustriert die wichtigen historischen Fakten der Amtszeiten der drei  Monarchen, wobei die Vorderseite der Banknote immer mit der Rückseite im Zusammenhang steht. Ganz allgemein unterscheidet sich die Banknotenserie Dynastie von den vorangegangenen Serien durch eine größere Leichtigkeit bei den Darstellungen und Verzierungen. Die Vorderseite ist immer in drei Teile unterteilt: das königliche Kopfbildnis, die Vignette und der Rahmen mit dem Wasserzeichen. Auf der 100-Francs-Note mit dem Kopfbildnis von Leopold I. ist auf der Vorderseite das Portrait des Königs zusammen mit einer Ansicht des Königlichen Platzes in Brüssel zu sehen, dem Ort, an dem der erste König der Belgier am 21. Juli 1831 seinen Eid leistete. Auf der Rückseite ist der Feierliche Einzug des Königs in Brüssel abgebildet. Anzumerken ist, dass die Banknoten zur damaligen Zeit zweisprachig beschriftet waren: Französisch auf der Vorderseite und Niederländisch auf der Rückseite.

Abbildung 3 :Vorderseite der 500-Francs-Note mit dem Kopfbildnis von Leopold II. © Museum der Belgischen Nationalbank.

Die 500-Francs-Note ist Leopold II. gewidmet. Neben dem königlichen Portrait ist auf der Vorderseite eine Ansicht der Stadt Antwerpen und ihres Hafens zu sehen. Für die Rückseite wurde eine Besonderheit der Regentschaft von Leopold II. gewählt: die Kolonialisierung des Kongos, mit einer Szene, die Afrikaner am Ufer eines Flusses zeigt. Die Reichtümer des Landes ermöglichten es Belgien, die Häfen auf seinem Staatsgebiet, vor allem in Antwerpen, auszubauen.

Abbildung 4 :Vorderseite der 1000-Franc-Note mit dem Kopfbildnis von Albert I. © Museum der Belgischen Nationalbank.

Sehen wir uns schließlich die letzte Stückelung der Serie an, die Albert I. gewidmet ist; dieser ist mit Helm abgebildet, um an seine Tapferkeit während des Ersten Weltkriegs zu erinnern. Neben ihm befinden sich die Kongresssäule und das Grab des unbekannten Soldaten in Brüssel. Für die Rückseite wurde eine Ansicht der flämischen Gemeinde Fumes gewählt, wo schwere Kämpfe tobten, die den Ort größtenteils zerstörten.

Aufgrund der hohen Anzahl von Fälschungen wurde die Serie Dynastie in den Jahren 1950 bis 1952 durch eine Serie ersetzt, auf der zwar auch die königlichen Portraits abgebildet waren, die aber auch des hundertjährigen Bestehens („le centenaire“) der Nationalbank gedachte. Folglich wurde sie natürlich „Centenaire“-Serie genannt. Diesmal wurde das Tiefdruckverfahren tatsächlich angewandt und verlieh den Banknoten das moderne Aussehen, das ursprünglich die Banknoten der Dynastie-Serie erhalten sollten.

Charlotte Vantieghem
Museumsführerin

BIBLIOGRAFIE

  • Ben te BOEKHORST, Marianne DANNEEL und Yves RANDAXHE, Adieu franc. La Belgique et sa monnaie, une belle histoire, 2001, S.70-73.
  • Philippe DELBART, L’évolution du billet de banque belge (1850-1979) du point de vue historique, technique et esthétique, Institut supérieur d’Etudes sociales de l’Etat, Section des bibliothécaires documentalistes, 1979, S.93-96.
  • Vincent DEPRÊTRE, Billets belges. La série Dynastie, Artikel für einen für den 14. Dezember 1998 vorgesehenen Vortrag im Cercle numismatique von Nizza, Oktober 1998.
  • La Monnaie et le Portrait royal. 1830-1991, Ausstellungskatalog, Ausstellung des Geldmuseums der Belgischen Nationalbank anlässlich der königlichen Jubiläen 60-40 vom 22. März bis zum 15. September 1991, 1991.
  • Le franc belge. Monnaies et billets belges depuis 1830, 1989, S.245-248, 272-277.