Spielen mit Geld  Share

Das Museum der Nationalbank zeigt dem Besucher, dass unser Geld eine reiche Geschichte hat und dass es in einer Vielzahl von Größen und Formen besteht. Im Saal 4 des Museums können Sie z. B. das Kartengeld bewundern, das während der Französischen Revolution verwendet wurde. Kartengeld hielt seinen Einzug in den verschiedenen überseeischen Kolonien Frankreichs und der Niederlanden gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als es als eine Art „Notgeld“ entstand. Dieser „Blickpunkt“ beschäftigt sich mit diesen besonderen Karten, denen nicht immer ein langes Leben beschieden war.

Abbildung 1: Eine Karte im Wert von 30 Sols, ausgestellt am 14. Juli 1765 - Copyright: Currency Museum of the Bank of Canada

Abbildung 1: Eine Karte im Wert von 30 Sols, ausgestellt am 14. Juli 1765 – Copyright: Currency Museum of the Bank of Canada

Die erste Form von Papiergeld in den französischen Kolonien erschien in Quebec, das damals noch als „Nouvelle-France“ bekannt war. Der Sold der dort stationierten Soldaten wurde mit französischem Geld bezahlt, der aus dem europäischen Mutterland eingeführt werden musste. Im Winter wurde der Geldtransport per Schiff allerdings durch die raue Witterung erschwert. 1685 fand Intendant Jacques de Meulles eine kreative Lösung, um der drückenden Geldknappheit die Stirn zu bieten. Immer wieder schrieb er die geschuldeten Beträge auf verschiedenen Spielkarten auf. Diese galten als Papiergeld, wenn die Karte den Aufdruck einer Lilie (Fleur-de-lis) mit der dazugehörigen Krone trug und mit den Unterschriften des Intendanten, Gouverneurs und Schatzmeisters versehen war. Dieser Zahlungsbeweis konnte anschließend in klingender Münze ausbezahlt werden, sobald die Schiffe mit dem Geld das kanadische Festland erreichten.

Das System tat bis Ende 1686 Dienst, wurde aber zwischen 1689 und 1717 wieder aufgegriffen. Die Bevölkerung war mit dem Kartengeld mehr und mehr vertraut, sodass es zu regelmäßigen Zeitpunkten ausgegeben wurde. Man schätzt, dass der Gesamtwert der verschiedenen Spielkarten im Umlauf rund zwei Millionen Pfund betrug. Der Nennwert mancher Spielkarten wurde sogar auf 100 Pfund festgelegt. Es war die Beliebtheit des Papiergeldes, die letztendlich zu seinem (vorübergehenden) Untergang führen sollte.

Durch die große Menge Papiergeld, die im Laufe der Jahre in Umlauf gebracht wurde, sank sein Wert. Das hatte zur Folge, dass das Kartengeld 1717 entwertet wurde. Der französische König Ludwig XV ließ in einem königlichen Dekret festlegen, dass der Wert der Spielkarten nur noch die Hälfte des aus dem Mutterland eingeführten Metallgeldes betragen sollte. Der französische Staat holte daraufhin das Geld aus dem Umlauf, indem er alle Karten aufkaufte.

Die Ausführung des Dekrets bedeutete allerdings nicht das völlige Ende dieses eigenartigen Papiergelds. Die Karten erlangten 1729 auf Betreiben der Händler wieder eine Funktion als Zahlungsmittel. Dieses Mal ging es allerdings nicht um Spielkarten, sondern es wurden Blanco-Karten verwendet, die manchmal in zwei Hälften geschnitten oder deren Ecken abgeschnitten wurden. Eine vollständige Karte erhielt den Wert von 24 Pfund, eine halbe Karte war noch 12 Pfund wert. Die Größe der Karte war demnach entscheidend für den Betrag, zu dem die Karte anerkannt wurde. Diese neue Form von Papiergeld wurde in der Neuen Welt allgemein bis zur Übernahme der französischen Kolonie durch Großbritannien akzeptiert.

Abbildung 2: Kartengeld aus Surinam - Copyright Numismatisches Museum der Zentralbank von Surinam

Abbildung 2: Kartengeld aus Surinam – Copyright Numismatisches Museum der Zentralbank von Surinam

In einem großen Teil des heutigen Kanada war das Kartengeld, das ursprünglich eine Notlösung gewesen war, in der Bevölkerung ein vertrautes Zahlungsmittel geworden. In der niederländischen Kolonie Surinam erlebte der Einmarsch des Kartengelds eine ähnliche Entwicklung.

Das surinamische Papiergeld trug genau wie sein kanadischer Verwandter eine Unterschrift mit einem Wappenstempel. Ursprünglich wurde der Wert des Geldes auf 1, 2,50 und 10 Gulden festgelegt. Später wurden weitere Papiere mit anderen Werten ausgegeben. 

Das surinamische Papiergeld wurde auch oft aus Spielkarten angefertigt, auf denen wir die klassischen Abbildungen des Kartenspiels wie Könige, Bauern, Karo und Kreuz sehen können. Zwar gibt es hierfür keinen abschließenden Beweis, aber die Abbildungen auf den Spielkarten dienten der analphabetischen Bevölkerung wahrscheinlich als Hilfsmittel, um den Wert des Geldes einfach feststellen zu können.

Die Ausgabe des surinamischen Kartengeldes verlief nicht immer problemlos. Das erste Papiergeld wurde jedes Mal mit einem Wechsel gedeckt. Ab 1761 wurde allerdings Kartengeld ausgegeben, das nicht mehr gedeckt war. Die Kolonialverwaltung verwendete die Karten, um den wachsenden Bedarf an Geld zu decken. Das hatte zur Folge, dass es die surinamischen Karten bald im Überschuss gab, wodurch der Wert des Geldes pfeilschnell sank. Trotz des schwankenden Wechselkurses der Karten blieb man ihrem Gebrauch treu. Als die Kolonie von den Briten besetzt wurde, sahen auch sie sich genötigt, neues Kartengeld auszugeben, um so eine Finanzknappheit zu vermeiden.

Abbildung 3: Bon de confiance, 15 Sols, auszahlbahr in Assignaten, 1791, Saint-Maixent, Frankreich - Museum der belgischen Nationalbank

Abbildung 3: Bon de confiance, 15 Sols, auszahlbahr in Assignaten, 1791, Saint-Maixent, Frankreich – Museum der belgischen Nationalbank

Als die Niederlande die Herrschaft über die Kolonie wieder erlangte, machte man sich auf die Suche nach einer geschickten Lösung, um die Geldnot in der Bevölkerung zu beheben. Das war dann schließlich auch das Ende des surinamischen Kartengelds, das ab dem 31. Mai 1828 gänzlich aus dem Umlauf genommen wurde. Unter der einheimischen Bevölkerung lebte die Erinnerung an das Kartengeld durch die mündliche Überlieferung fort. So nannten sie den Betrag von f 3,20 unerschütterlich „wan bigi karta“.

Das Experiment mit dem Kartengeld kann nicht als uneingeschränkter Erfolg bezeichnet werden. Ein finanzielles Defizit wurde in den Kolonien, wo man das Kartengeld benutzte, einfach dadurch gelöst, dass man zusätzliche Karten herstellte. Und seine erhöhte Ausgabe führte natürlich zu einer Wertminderung. Das Kartengeld wurde schließlich im revolutionären Frankreich wieder aufgegriffen, wo sie in einem halben Dutzend Gemeinden wieder als „Billets de confiance“ verwendet wurden. Diese Vertrauensscheine waren nicht gedeckt, konnten jedoch gegen Assignate gewechselt werden, die andere Form von Papiergeld, das in dieser Zeit zum ersten Mal ausgegeben wurde. Die Ausgabe dieser Scheine verlief allerdings auch nicht problemlos. Der Staat beschloss, sich nicht länger auf die Produktion von Papiergeld einzulassen. Die Karten erhielten ihre ursprüngliche Funktion zurück und konnten nur noch dazu dienen, wozu sie auch heute noch verwendet werden, nämlich zum Kartenspielen.

Veronique Deblon
Museumsführerin

Bibliographie