Die Euro-Münzen und Banknoten sind 10 jahre alt  Share

Anfang 2012 erschien eine neue 2-Euro-Münze. Es handelt sich um eine Münze, die von allen Ländern des Euro-Währungsgebiets ausgegeben wird, um daran zu erinnern, dass die Euro-Münzen und -Banknoten vor 10 Jahren zum ersten Mal in Umlauf gegeben wurden. Am 1. Januar 2002, dem Tag, der auch Tag des Euro genannt wird, führten nämlich zwölf Länder die Einheitswährung ein. Seither haben sich fünf weitere Nationen dieser Wirtschafts- und Währungsunion angeschlossen, in der heute rund 330 Millionen Menschen leben.

Im Frühjahr 2011 schrieb die Europäische Kommission einen Wettbewerb für den Entwurf einer neuen Gedenkmünze anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Euro-Bargelds aus. Die Bürger aller Länder des Euroraums konnten drei Wochen lang auf der für diesen Zweck eingerichteten Website ein Design vorschlagen. Von den über 800 Vorschlägen wählte eine Fachjury fünf aus. Danach konnten alle Bewohner des Eurogebiets online für einen der fünf Entwürfe stimmen. Vielleicht waren Sie ja eine der 35 000 Personen, die abgestimmt haben? Gewonnen hat schließlich die Vorlage von Helmut Andexlonger, einem professionellen Designer der österreichischen Münzanstalt, mit 35 % der abgegebenen Stimmen.

Die neue gemeinsame Gedenkmünze (2012)

Die neue gemeinsame Gedenkmünze (2012)

Der Siegerentwurf von Helmut Andexlonger symbolisiert die Rolle des Euro im täglichen Leben jedes Einzelnen (dargestellt durch die Menschen auf dem Bild) und seine in den vergangenen zehn Jahren weltweit erlangte Ausstrahlungskraft (der Globus mit dem Symbol €); er unterstreicht auch die Bedeutung des Euro für den Handel (das Schiff), die Industrie (die Fabrik) und die Energie (die Windräder). Diese neue 2-Euro-Gedenkmünze wird von allen Mitgliedsländern des Euroraums ausgegeben. Auf jedem Exemplar steht der Name des Ausgabelands im unteren Teil des Münzbilds. Darunter befindet sich die Inschrift 2002-2012.

Es ist das dritte Mal, dass alle Länder des Euroraums eine gemeinsame Gedenkmünze ausgeben. Die erste erschien im März 2007 anlässlich des 50. Jahrestags der Römischen Verträge. Die zweite gemeinsame Gedenkmünze wurde im Januar 2009 aus Anlass des zweiten Jahrestags der Wirtschafts- und Währungsunion und der Einführung des Euro als Buchgeld geprägt. Diese Gedenkmünzen haben einen Nennwert von 2 Euro und können im gesamten Eurogebiet umlaufen. Es wurden rund 90 Millionen Exemplare dieser neuen Münze geprägt.

Frühere gemeinsame Gedenkmünzen

Frühere gemeinsame Gedenkmünzen

Neben den gemeinsamen Gedenkmünzen kann jedes Land des Euro-Währungsgebiets einmal jährlich eine nationale 2-Euro-Gedenkmünze herausgeben. Entwurf und Ausgabe von Euro-Münzen fallen in die Zuständigkeit der jeweiligen Länder und hängen damit nicht von der Europäischen Zentralbank ab. Wenn ein Land des Euroraums die Absicht hat, ein neues Projekt zu starten, zum Beispiel eine Gedenkmünze auszugeben, muss es die Europäische Kommission und die übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union davon in Kenntnis setzen. Nur 2-Euro-Münzen können zu Gedenkmünzen werden, und sie besitzen dieselben Merkmale und dieselbe gemeinsame Münzseite wie die üblichen 2-Euro-Münzen; die nationale Münzseite wird dann für das Gedenkmotiv verwendet. Diese Münzen sind im gesamten Eurogebiet gesetzliches Zahlungsmittel und würdigen in den meisten Fällen ein historisches Ereignis oder ein aktuelles Ereignis von historischer Bedeutung. Die allererste Gedenkmünze wurde 2004 von Griechenland anlässlich der Olympischen Spiele in Athen ausgegeben. In jedem Mitgliedsland des Euroraums gilt im Übrigen die Regel, dass eine Gedenkmünze nur einmal pro Jahr ausgegeben werden darf. In Ausnahmefällen kann jedoch eine zweite Münze geprägt werden, aber nur dann, wenn diese Münze von allen Euro-Ländern gemeinsam ausgegeben wird und ein Ereignis würdigt, das für den gesamten Euroraum von Bedeutung ist.

Wie die meisten Länder des Euro-Währungsgebiets hat Belgien bereits einige Gedenkmünzen in Umlauf gebracht. Die erste erschien im Jahr 2005 zu Ehren der Belgisch-luxemburgischen Wirtschaftsunion, was erklärt, warum diese Münze die Kopfbildnisse von König Albert II und von Großherzog Henri von Luxemburg trägt. Anlässlich der Wiedereröffnung des Atomiums im Jahr 2006 wurde eine Münze mit dem Bildnis dieses berühmten belgischen Denkmals ausgegeben. Die dritte Münze folgte 2008, als Belgien – wie im Übrigen auch einige andere Länder – eine Münze dem 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte widmete. Im darauffolgenden Jahr wurde mit der vierten Gedenkmünze die 200. Wiederkehr des Geburtstags von Louis Braille gefeiert, und 2010 erschien eine Münze zu Ehren der belgischen EU-Ratspräsidentschaft. Auf der letzten nationalen Gedenkmünze sind zwei Frauen abgebildet: Isala Van Diest und Marie Popelin, der ersten Ärztin bzw. Rechtsanwältin Belgiens; damit wurde des 100-jährigen Bestehens des Internationalen Frauentags gedacht.

Belgische Gedenkmünzen

Belgische Gedenkmünzen

Neben diesen gemeinsamen und nationalen Gedenkmünzen kann man in einigen Ländern auch untypische Münzen finden, deren Nennwert sich von denen der gängigen umlaufenden Münzen unterscheidet. So wurden in den Niederlanden bereits neun 5-Euro-Münzen und drei 10-Euro-Münzen in Umlauf gegeben. Diese Münzen sind auch gesetzliche Zahlungsmittel, allerdings nur im Ausgabeland. Und schließlich gibt es in einigen Ländern Sammlermünzen, die zum Kauf angeboten werden. Ein erstaunliches Beispiel ist die Münze des Wiener Philharmonieorchesters, deren Wert 100 000 Euro beträgt Diese Münzen werden jedoch nicht im Handel akzeptiert.

GREET DE LATHAUWER
Museumsführerin

BIBLIOGRAPHIE