Herman Richir (1866-1942): Maler für die Belgische Nationalbank  Share

Im letzten Monat erhielt die Kunstsammlung der Bank ein neues Gemälde des Malers Herman Richir (1866-1942). Dieses Gemälde stellt Julien Liebaert, einen Direktor der Nationalbank in der Zeit des Ersten Weltkriegs, dar. Das Bild inspirierte auch ein weiteres Gemälde, welches ebenfalls von Herman Richir gemalt wurde und im Museum der Nationalbank zu sehen ist, nämlich das Gemälde der ersten Sitzung des Verwaltungsrats der Nationalbank nach dem Ersten Weltkrieg. Darauf ist derselbe Julien Liebaert mit demselben Gesichtsausdruck wie auf seinem persönlichen Porträt zusehen. Nachfolgend wollen wir näher auf dieses Gemälde eingehen.

Théophile de Lantsheere

Théophile de Lantsheere

Der Maler, Herman Richir, war kein Unbekannter: 1914 wurde er Direktor der Akademie von Brüssel; er war damals bereits einer der bekanntesten Porträtmaler seiner Zeit. Seine farbenfrohen Bilder geben ein getreues Bild der vermögenden Brüsseler Bourgeoisie der ersten drei Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts wieder. Er wählte seine Modelle vor alle in höheren Kreisen und seine Bilder sind sehr präzise gemalt, mit einem Auge für Details.

In dem damaligen Büro des Gouverneurs befinden sich zwei von Herman Richir gemalte Leinwände, die auf die dunklen Jahre des Ersten Weltkriegs verweisen.

In dem Büro hängt dem Kamin gegenüber ein Porträt von Théophile de Lantsheere. Er war der erste niederländisch sprechende Gouverneur und leitete die Bank zwischen 1905 und 1918 bzw., einer anderen Ansicht nach, bis 1914. Am 11. September 1914 teilte Baron Colmar von der Goltz, der damalige deutsche Gouverneur von Belgien, der Bank mit, dass eine Finanzabteilung, ein allmächtiges Kommissariat der Banken unter der Leitung von Herrn von Lumm eingerichtet worden war. Nach dieser Zeit erlebte die Bank während des Ersten Weltkriegs die dunkelsten Jahre ihrer Geschichte. Gouverneur de Lantsheere wurde vom deutschen Besatzer aus seinem Amt entlassen, da er sich weigerte, die auszugebenden Banknoten und das Gold auszuhändigen. Der Bank wurde ihr Emissionsprivileg entzogen und der Société Générale zugewiesen. Direktor Ferdinand Carlier wurde im Juli 1916, als er sich in Antwerpen anschickte, in den Zug zu steigen, verhaftet und ohne Prozess nach Deutschland deportiert; Direktor Omer Lepreux wurde im Juni 1917 festgenommen und im Lager von Holzminden interniert, weil er laut gegen die vierte Kriegssteuer protestiert hatte.

Porträt der Vollversammlung nach dem Ersten Weltkrieg.

Porträt der Vollversammlung nach dem Ersten Weltkrieg.

Nach dem Weltkrieg wurden die oben genannten Direktoren freigelassen und nahmen sie ihr Amt wieder auf.

Das Gruppenporträt stellt die erste Generalversammlung des Verwaltungsrats der Bank nach dem Ersten Weltkrieg dar. Links sitzt Gouverneur van der Rest, um ihn herum stehen der Sekretär der Bank, Alber-Edouards Jannsen, die Direktoren Fernand Hautain und Julien Liebaert, der Regierungskommissar Edgard Rombouts, der Vizegouverneur Omer Lepreux, der Direktor Ferdinand Carlier, und der Direktor Fernand Jamar. Es fehlt der Gouverneur de Lantsheere, der im Februar 1918 starb und das Ende des Krieges nicht miterlebte und demnach auch nicht diese Vollversammlung. Zwei Personen sind sitzend abgebildet, die anderen stehend. Die zwei sitzenden Personen in der Mitte des Bildes sind auch die zwei bedeutendsten Persönlichkeiten: links der Gouverneur van der Rest und rechts der Vizegouverneur Omer Lepreux. Fernand Hautain (die Person, die sich über den Gouverneur Rest beugt), ist der Nachfolger des Gouverneurs.

Die Szene spielt sich im Ratssaal ab (Saal 2 des Museums, der Saal des Direktionsausschusses), direkt unter dem Brustbild von Frère-Orban, ein Symbol für die Legitimität und die in Ehre wiederhergestellte Autorität des Verwaltungsrates. Der Raum ist mit einer solchen Präzision gemalt, dass die Leinwand den Ratssaal symbolisch mit dem Zimmer des Gouverneurs zu verbinden scheint. Durch die Perspektive wird auch ein Fenster geschaffen, das die Strenge und Geschlossenheit des Raums durchbricht. Bei dieser Versammlung erhielt die Bank ihre Privilegien zurück. Unmittelbar nach dieser Versammlung wurde beschlossen, dass die Abteilung für die Geldausgabe unverzüglich wieder eröffnet werden würde und nicht mehr in deutscher Hand sei. Van der Rest beschreibt, wie die Ausgabe der Banknoten wieder an die Bank übertragen wurde, noch bevor die Deutschen das Grundgebiet verlassen hatten. 1922 verlängerte Gouverneur van der Rest seine Amtszeit nicht, da er sich selbst zu alt fand, und mit ihm verließen auch die Direktoren Julien Liebaert und Ferdinand Carlier die Bühne.

Der Direktionsausschuss am Vorabend des Gouverneurswechsels

Der Direktionsausschuss am Vorabend des Gouverneurswechsels

1957 wurde ein Foto gemacht, welches auf das oben genannte Gemälde mit dem Direktionsausschuss am Vorabend des Gouverneurswechsels Bezug nimmt. Es handelt sich um ein Bild des Fotographen Dumont.

Dieses Foto nimmt eindeutig mit einem Augenzwinkern Bezug auf das oben besprochene Gemälde von Herman Richir. Es wurde in demselben Rau aufgenommen, der auch in dem Gemälde dargestellt ist. Die Anordnung der Personen auf dem Foto stimmt ebenfalls mit dem Gemälde überein. Sowohl in dem Gemälde als auch auf dem Foto sitzen der Gouverneur (Maurice Frère) und der Vizegouverneur (H. Ansiaux), auch die stehenden Personen nehmen in diesem Bild ungefähr denselben Platz ein. Der auffälligste Unterschied ist die Frau ganz links im Bild, die Sekretärin E. Malaise, die ganz wie in dem Gemälde ein Notizbuch in der Hand hält, wahrscheinlich um das Protokoll der Sitzung zu erstellen. Ferner sehen Sie, dass der Direktor Lefèbvre gebeugt steht, genau wie Direktor Fernand Hautain in dem Gemälde. Diese Übereinstimmungen sind natürlich nicht zufällig. Der Fotograph hat sich an dem Gemälde inspiriert und in seinem Foto dieselbe Anordnung verwendet.

Helena Van De Sompel

Museumführer

Bibliografie

  • Anoniem,, geraadpleegd op 12 augustus 2011.
  • Kauch P..Théophile de Lantsheere, septième gouverneur de la Banque Nationale de Belgique 1833-1918. Extrait de B.N.B., revue du personnel de la Banque Nationale de Belgique 13e année, n°3, février 1957, 14 p.
  • Kauch P..Léon van der Rest huitème gouverneur de la Banque Nationale de Belgique (1845-1932). Extrait de B.N.B,revue du personnel de la Banque Nationale de Belgique, 16e année, n°8, août 1960, 26 p.
  • Pluym W.. Danneel M. et al. Het Hotel van de Gouverneur van de Nationale Bank van België. Pandora, 1995, 231 p.
  • van der Rest L. . La Banque Nationale de Belgique sous l’Occupation Allemande 1914-1918. Rapport au Roi. Imprimerie de la Banque nationale de Belgique, 1918, 54 p.