Leopold II: eine Währung für den Kongo-Freistaat?  Share

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kongo, ein Gebiet 80 Mal so groß wie Belgien, persönlicher Besitz des Königs Leopold II von Belgien. Nach der Berliner „Kongo-Konferenz“ wurde Leopold international als Souverän des Kongo-Freistaats anerkannt. Das bedeutete, dass er der absolute Alleinherrscher dieses Freistaats wurde, denn die Souveränität lag voll und ganz in der Person des Königs. Die belgische Regierung rechnete zum damaligen Zeitpunkt nicht mit einer Kolonie und mischte sich daher nicht in kongolesische Angelegenheiten ein.

5 kongolesische Francs des Kongo-Freistaats

Diese koloniale Invasion und Besetzung verlief nicht ohne Widerstand, manche kongolesischen Historiker sprechen hier von einem „dreißigjährigen Krieg“. Dies ist eine wichtige Sichtweise. Denn allzu oft wurde diese Zeit als eine Zeit der friedlichen Kolonisierung beschrieben, als hätte die kongolesische Bevölkerung bei dem Einmarsch der kolonialen Truppen Beifall geklatscht.

Welche Münzen und/oder Geldscheine gab es in dem Freistaat? Wie wurden sie von der Bevölkerung aufgenommen? Und waren diese Münzen und Geldscheine die am meisten benutzten Zahlungsmittel?

Die kongolesische Wirtschaft war vor der Kolonialisierung keine Geldwirtschaft, was nicht bedeutet, dass es keinen Handel gab, ganz im Gegenteil. Es gab lokale Märkte und manche Produkte wurden sogar international gehandelt. Es ging allerdings hauptsächlich um Tauschhandel, wobei Geld nicht die grundlegende Rolle spielt, die es in einem entwickelten Marktsystem hat. Bei den meisten wirtschaftlichen Transaktionen machten die Einwohner in gleichem Maße von Tauschhandel und Warengeld Gebrauch, wie die Katangakreuze und der Mitako, ein etwa 50 cm langer Kupferdraht.

Münzgeld als Zahlungsmittel anzunehmen, war daher für die Bevölkerung keine leichte Angelegenheit. Daher kommt es, dass diese Zeit auch als ‘la bataille du numéraire’ bezeichnet wird. Manche Kongolesen hätten sogar Ihren Zugfahrschein bei den Chemins de Fer des Grands lacs Africains mit Hühnern bezahlt, da Hühner eine gebräuchliche Tauscheinheit waren.

Trotz der vorhersehbaren Schwierigkeiten beim Umgang mit Münzen und Geldscheinen als Zahlungsmittel beschloss Leopold II dennoch ihre Einführung. Das Währungssystem des Freistaats wurde durch Königlichen Erlass vom 27. Juli 1887 festgelegt, wobei der kongolesische Frank einem 3100stel Kilo Feingold entsprach. Der Erlass sah die Prägung von 20-Francs-Münzen in Gold, 5-, 2- und 1-Francs- sowie 50-Centimes-Münzen in Silber und 10, 5, 2 und 2 Centime-Münzen in Kupfer mit einem Loch in der Mitte vor. Mit Erlass vom 27. August 1906 wurden auch noch 20-, 10- und 5- Centimes-Münzen in Kupfernickel eingeführt, ebenfalls mit einem Loch in der Mitte.

Die 20 Francs-Goldmünze wurde nie geprägt und kam daher auch nie in Umlauf. Alle anderen Denominationen wurden in Umlauf gebracht. Die Silbermünzen trugen auf der Vorderseite das Porträt von Leopold II und die Rundschrift LEOPOLD II R. D. BELG. SOUV. DE L’ETAT INDEP. DU CONGO. Die Kupfer- und Kupfernickelmünzen tragen anstelle des Königsporträts das gekrönte Doppelmonogramm von Leopold II in fünffacher Ausführung.

Der Erlass vom 7. Februar 1896 sah die Ausgabe eines ersten Geldscheins des Freistaats mit den Nominalwerten 10 und 100 Francs für einen Gesamtbetrag von 400 000 Francs vor. Kaum einen Tag später unterzeichnete Baron Edmond van Eetvelde, damaliger Staatssekretär, einen Erlass, mit dem die Ausgabe auf einen Gesamtwert von 269 850 Francs (2000 100-Francs-Scheine und 6 985 10-Francs-Scheine) beschränkt wurde. Als Sicherheitsmerkmal erhielt jeder Schein neben der Nummer einen zusätzlichen Buchstaben aus dem Alphabet. Darüber hinaus wurden die Scheine von Baron van Eetvelde und Henry Pochez, Schatzbewahrer, unterzeichnet.

Mit den Erlassen von 1887, 1896 und 1906 erhielt der König das Monopol der Münzprägung und die Emittierung von Staatsscheinen. Ab 1891 wurden auch feste Wechselkurse eingeführt.

Scheine des Kongo-Freistaats aus: Mulongo (J.-C.), La Banque Centrale Du Congo. Une rétrospective historique. Publikation der Zentralbank des Kongos. Kinshasa, 312 S.

Auf der Vorderseite des 10-Francs-Scheins ist ein Cupido mit einem Horn des Überflusses vor einem Hintergrund abgebildet, der auf den Transportsektor, die Industrie und den Bergbau verweist. Auf der Rückseite ist in einem Medaillon der Kopf einer lorbeergekrönten Frau abgebildet. Auf Vorder- und Rückseite steht die Inschrift „Etat indépendant du Congo“. Auf der Vorderseite des 100-Francs-Scheins ist eine an der Küste sitzende Frau mit einem Hermesstab (Symbol für den Handel) in der Hand abgebildet, um die herum allerlei Schiffsfracht ausgestellt ist. Auf dem Meer zieht ein Dampfschiff vorbei. Rechts oben befindet sich ein liegender Löwe. Auf der Rückseite prangt ein Medaillon, in dem der Kopf einer Frau abgebildet ist, die eigenartigerweise eine Phrygische Mütze trägt, Symbol der Republik (und noch dazu der französischen). Auch hier tragen Vorder- und Rückseite die Aufschrift “État independant du Congo”. Die Scheine sind Inhaberscheine und können bei der Trésorerie Générale des Kongo-Freistaats in der Brüsseler Rue de Namur 10 eingetauscht werden. Man findet nur wenige Scheine im Originalzustand, da die meisten durch Perforation vernichtet wurden.

Es gab einige Kritik gegen die Geldscheine des Kongo-Freistaats, da der Gestalter keine Merkmale angebracht hat, aus denen man erkennen kann, auf welchem Kontinent oder in welchem Land der Schein benutzt wurde. Mit Ausnahme der Inschrift “État Indépendant du Congo” gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass es sich um einen Geldschein des Kongo-Freistaates handelt. Darüber hinaus wurden diese Scheine nicht von der Belgischen Nationalbank sondern von dem Londoner Unternehmen Waterlow & Sons Ltd. gedruckt, das auf das Drucken von Banknoten und Briefmarken spezialisiert war. Daraus könnte man schließen, dass Belgien nicht wirklich beteiligt war, da der Druck nicht durch die Nationalbank erfolgte, aber die Bestellung der Münzen und Geldscheine erfolgt durchaus durch Vermittlung der Nationalbank.

Ungeachtet der Einführung dieser Münzen und Banknoten blieb der Tauschhandel die wichtigste wirtschaftliche Grundlage des Handels. Daneben waren verschiedene Warengelder und Tauschmittel in Natura mit oder ohne Gegenwert in Francs und Centimes im Umlauf. Der bereits erwähnte Mitako war z. B. 15 Centimes wert. Die im Umlauf befindliche Menge Münzen nahm ab 1896 ab. Wurden bei manchen Geschäften dennoch Münzen benutzt, war das bei den Scheinen nicht der Fall. Zum einen war der Wert der Scheine zu hoch für kleine Transaktionen und hatten die Kongolesen keinerlei Vertrauen in das eingeführte Papiergeld. Darüber hinaus hielten die Banknoten dem feuchten Klima nicht lange stand.

Die Kongolesen hatten viel mehr Vertrauen in den Tauschhandel als in das Papiergeld der Belgier. Es war nur eine äußerst begrenzte Menge Münz- und Papiergeld im Umlauf, es wurde überwiegend in Natura bezahlt.

Helena Van De Sompel,
Museumsführerin

Bibliographie

  • <http://www.randtribal.com/Archives.html>, konsultiert am 5. März 2011.
  • August D. & Selvais Ch., État indépendant du Congo, Congo belge, Congo belge et Ruanda-Urundi, Rwanda-Burundi, Katanga, 1896-1962. History of Paper Money, Billeta Belgica, De Mol Imprimerie, 2002, 207 p.
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  • Mulongo J.-C., La Banque centrale du Congo. Une rétrospective historique. Publication de la Banque centrale du Congo, Kinshasa, 2007, 312 p.
  • Vangroenweghe D., Leopold II & Kongo. Het evenaarsdistrict en het kroondomein 1885-1908, Copytheek België, 1985, 403 p.