Tere Euro!  Share

eine estnische EuromünzeMit einem herzlichen „Tere Euro!“ oder „Hallo Euro“ begrüßte Estland am 1. Januar 2011 die europäische Einheitswährung. Hiermit wird Estland das siebzehnte Land der Eurozone. Der Euro wird damit heute von über 330 Millionen Europäern benutzt. Der Euro tritt an die Stelle der estnischen Krone, die 1992, nachdem Estland als erster Sowjetstaat die Rubelzone verlassen hatte, eingeführt wurde. Estland ist im Übrigen der erste baltische Staat, der die Maastricht-Normen erfüllt. Die Einführung des Euro ist dort nicht das einzige spektakuläre Ereignis in diesem Jahr. Tallinn ist zusammen mit der finnischen Stadt Turku Europäische Kulturhauptstadt von 2011.

Estland liegt an der Ostsee, an einem Knotenpunkt, wo sich die Wege nach Ost- und Westeuropa kreuzen, und erweckte seit jeher Interesse. Die Hauptstadt Tallinn (die damals noch Reval hieß), gehörte seit 1285 auch zur Hanse, dem Handelsverband der Städte rund um die Ost- und Nordsee, die sich von London bis zum russischen Nowgorod erstreckte. Das heutige Estland war reihum (teilweise) dänisches, schwedisches, polnisches bzw. russisches Grundgebiet und auch für die Deutschen war es lange Zeit ein natürliches Gebiet für Handel und Kolonisation. Unter Peter dem Großen begann eine Zeit slawischer Herrschaft. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Nationalismus in den baltischen Staaten.

Das Eurosystem

Das Eurosystem

Dieser Nationalismus führte allerdings nicht zu einer stabilen Unabhängigkeit. Unter dem Einfluss verschiedener ausländischer Faktoren, unter anderem dem Zusammenbruch des russischen Zarenreichs und dem Fall des deutschen Kaiserreichs, mit Unterstützung der Alliierten und mit Trotzkis Erklärung über das Recht auf nationale Selbstbestimmung unter dem Arm, versuchte Estland, die Unabhängigkeit auszurufen. Es folgte jedoch eine Zeit der Instabilität und mit dem Molotow-Ribbentrop-Pakt, einem Vertrag zwischen Hitler und Stalin, in dem sie die von beiden beanspruchten Gebiete untereinander aufteilten, kamen die baltischen Staaten unter den Einfluss der Sowjets. Mit Ausnahme einer kurzen Zeit unter deutscher Besatzung zwischen 1941 und 1944 war Estland bis Anfang der 90er Jahre de facto ein Sowjetprotektorat. Erst 1991 wurde Estland unabhängig.

Über 50 Jahre wurde die Wirtschaft Estlands und der anderen baltischen Staaten von Moskau gelenkt. Es wurden vor allem Grunderzeugnisse wie Holz und Fisch exportiert. Nachdem die Sowjetunion 1991 auseinandergefallen war, wurden die Bande zwischen Estland und Europa immer enger. Es gab einen massiven Zustrom von vor allem skandinavischem Kapital und das Land konzentrierte sich vor allem auf den IKT-Sektor. So wurden unter anderem die Software für Skype (Telefonieren über das Internet), Hotmail (kostenloser webbasierter E-Mail-Dienst) und Kazaa (Computerprogramme, mit denen Benutzer Dateien untereinander austauschen können) in Estland entwickelt. Im Englischen hat Estland auch den Beinamen „E-Stonia“.

5 Estnische Krone - Hermannsburg und Jaanilidna

5 Estnische Krone – Hermannsburg und Jaanilidna

Die turbulente Geschichte von Estland brachte auch mit sich, dass die Esten in einem knappen Jahrhundert mit fünf verschiedenen Währungseinheiten umzugehen hatten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Mark nach dem Vorbild der Deutschen Mark als gängiges Zahlungsmittel eingeführt. Die späten 20er Jahre waren durch den Wechsel der instabilen Mark gegen die erste estnische Krone geprägt, die auf die schwedische Währung verwies. Die Krone war stabil und wurde an das britische Pfund gekoppelt. Ab 1940 kam wurde die Sowjetwährung eingeführt. Diese blieb bis 1991 in Umlauf. Die Aussicht auf einen unabhängigen estnischen Staat sorgte auch dafür, dass man begann, über eine eigene Währung nachzudenken. Man entschied sich erneut für die estnische Krone. 1987 wurde ein Wettbewerb für den Entwurf der neuen Banknoten ausgeschrieben. Man entschied sich letztendlich für eine klassische Thematik, wobei bekannte Esten die Vorderseite zierten und bekannte Monumente, Bauwerke und Tiere die Rückseite. Auf den ersten Münzen war eine Kornblume abgebildet, die Nationalblume von Estland. Später wurde diese durch das Wappen von Estland und drei übereinander abgebildete Löwen ersetzt.

Aber am 1. Januar 2011 mussten sich die Esten von ihrer Krone verabschieden. Der Euro wurde nach dem so genannten „Big-Bang“-Szenario eingeführt. Das bedeutet, dass die Euro-Geldscheine und Münzen zu dem Zeitpunkt in Umlauf gebracht werden, in dem der Euro die offizielle Währungseinheit von Estland wird. Die Esten konnten ihre Kronen aber natürlich auch nach dem 1. Januar noch umtauschen. Zwei Wochen lang durften die Krone und der Euro gleichzeitig zirkulieren. Noch bis zum 30. Juni 2011 müssen alle Preise in Kronen und Euro angegeben werden. Es gibt vorläufig kein Enddatum für den Umtausch von Geldscheinen. Dies alles erfolgt zu einem Umrechnungskurs von 15,6466 Kronen pro Euro.

Für das Design der nationalen Seite der Euromünzen gab es im Juni 2004 eine Ausschreibung. Die Experten-Jury erhielt 134 Entwürfe. Zehn Entwürfe kamen in die engere Auswahl und die Esten konnten eine Woche lang in Fernsehabstimmungen für ihren bevorzugten Entwurf stimmen. Letztendlich wurde Hara 2 von Lembit Lõhmus ausgewählt. 12.482 Esten wählten den Entwurf mit der Silhouette Ihres Vaterlandes und „Eesti“, wie Estland auf Estnisch heißt. Die estnischen Münzen werden in Finnland geprägt.

Bevor Estland dem Eurosystem beitreten konnte, musste das Land die so genannten Maastricht-Normen erfüllen (Vertrag von Maastricht, 1992): ein stabiler Wechselkurs, niedrige und stabile langfristige Zinsen (keine zwei Prozentpunkte höher als die langfristigen Zinsen der drei am besten abschneidenden Mitgliedstaaten), ein hohes Maß an Preisstabilität (eine durchschnittliche Inflation im Jahr vor der Beitrittsuntersuchung, die nicht mehr als 1,5% über der Inflation der drei Mitgliedstaaten liegt, die auf dem Gebiet der Preisstabilität am besten abschneiden) sowie gesunde Staatsfinanzen (eine Staatsverschuldung in Höhe von höchstens 60% des BIP und ein Haushaltsdefizit von höchstens 3% des BIP).

Die estnischen Euro sind seit dem 1. Januar in Saal 4 des Museums zu sehen.

Katrien Costermans
Museumsführer

Bibliographie

  • Cornelissens L., «Ongerepte Parel aan de Finse golf», in De Standaard, 8. Januar 2011.
  • Eesti Pank, «Euroveeb», in http://euro.eesti.ee, 2010.
  • «Estland omhelst de euro», dans De Standaard, 3. Januar 2011.
  • Leimus I., Estonian currency from the Mark to the Euro, s.l., s.d.
  • Mardiste D., «Estland omarmt de euro», in De Morgen, 31. Dezember 2010, 25.
  • Van Den Heuvel M., David versus Goliath – Het vrijheidsstreven van Estland, Letland en Litouwen, s.l., s.d.