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Von Brüssel nach Belgrad und zurück: die Mission von Charles Boschmans

Der Name Charles Boschmans (Brüssel, 2. März 1839 – Saint Gilles, 12. August 1897) sagt nur noch wenigen Belgiern etwas. In Serbien hingegen ist er keinesfalls ein Unbekannter. Im Januar 1884 trug die belgische Nationalbank ihrem Leiter der Buchhaltung eine recht außergewöhnliche Aufgabe auf: die Gestaltung der Struktur der soeben ins Leben gerufenen Zentralbank Serbiens. Charles Boschmans machte sich sofort nach Serbien auf, wo er alles in allem 12 Monate bleiben sollte.

Charles Boschmans

Charles Boschmans

Die Mission von Charles Boschmans kommt in der folgenden Ausstellung: „Historische Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen der serbischen und der belgischen Nationalbank, 1883 – 2010“ ausgiebig zur Sprache. Diese Ausstellung ist zu besuchen vom 10. November 2010 bis 14. Januar 2011 in der Bibliothek der Nationalbank von Belgien. Sie wird als ein treffendes Beispiel für die eingehende Zusammenarbeit und den Austausch von Know-how zwischen den zentralen Banken des 19. Jahrhunderts vorgestellt.

Die Papiergelddrucker in Europa machten sich gegenseitige Studienbesuche in ihren jeweiligen Druckereien, halfen sich gegenseitig aus Notlagen und führten eine rege Korrespondenz. Auch für Charles Boschmans war die Emission des serbischen Papiergelds eine große Herausforderung. Durch seine Vermittlung wurde der erste 100-Dinar-Schein der privilegierten Nationalbank des Königreichs Serbien in der Druckerei der BNB in Brüssel gedruckt.

Aber sein Auftrag ging noch viel weiter. Der erfahrene belgische Bankier war in Belgrad bei beinahe allen Organisations-, Rechts- und Personalfragen beteiligt, vor denen die serbische Nationalbank stand. Die Struktur der belgischen Nationalbank diente dabei stets als Vorbild.

Charles Boschmans erfüllte seine Aufgabe mit großer Begeisterung. Er liebte das Reisen und genoss seine Zugreise von Brüssel nach Belgrad. Seine Hinreise ging über Wien und dauerte drei Tage. Auf der Rückreise machte er einen Umweg und verbrachte ein paar Tage Urlaub in Triest, Venedig, Milan und der Schweiz, bevor er nach Brüssel zurückkehrte. Die Fotografie war seine zweite große Leidenschaft. Er war Mitglied und später auch Schatzmeister des belgischen Vereins für Fotografie und Filmkunst wo er als ein „eifriger Lanternist“ bekannt war. Fotos von ihm sind noch in den Blättern dieses Vereins zu finden. Im Alter von 57 Jahren schlug das Schicksal jedoch zu: Er wurde schwer krank und starb am 12. August 1897.

Bibliographie:

Wo?

Bibliothek der BNB (seit 31 März geschlossen)
Warmoesberg 57
1000 Brüssel

Wann?

Vom 10. November 2010 bis 14. Januar 2011
Montags bis freitags
Von 10 bis 17 Uhr

Preis?

Eintritt frei