Margaretha von Österreich – eine „druckreife“ Frau  Share

Margaretha von Österreich

Margaretha von Österreich

Wenn wir uns die Porträts anschauen, die die belgischen Banknoten geziert haben, stellen wir fest, dass die ersten realistischen Porträts erst um die Zeit des ersten Weltkriegs auftauchen. Es waren vor allem Porträts von Mitgliedern der belgischen Dynastie, die als patriotische Ehrenerweisung und als Abschreckung für Falschmünzer dienen sollten. Später kam allmählich auch die Kategorie der berühmten historischen Persönlichkeiten an die Reihe. Sie fungierten als eine Art Botschafter des Landes.

Außer den Königen wurde keine einzige Persönlichkeit noch zu Lebzeiten auf einer Banknote verewigt. Der Auswahl gingen stets lange Diskussionen im so genannten Banknotenausschuss voraus. Der Lebenswandel, die Verdienste und der Ruhm der Person wurden unter die Lupe genommen. Dabei strebte man nicht nur eine geographische Ausgewogenheit und ein Gleichgewicht zwischen den Gemeinschaften an, sondern die Persönlichkeiten mussten auch hinreichend bekannt sein und durften sich nichts zuschulden kommen lassen haben. Kultur und Wissenschaft schnitten am besten ab: vierzehn Künstler und drei Wissenschaftler bekamen ihren festen Platz auf einer Banknote. Frauen wurden dabei allerdings komplett übersehen. Neben den belgischen Königinnen erhielt nur eine einzige weibliche Persönlichkeit einen Platz auf einer Banknote. Auf der Rückseite des 500 Frankenscheins, der Bernard (oder Barend) Van Orley gewidmet ist, ist Margaretha von Österreich abgebildet. Sie war dann auch bestimmt nicht irgendeine Frau.

Margaretha von Österreich (Brüssel 1480 – Mechelen 1530) wurde schon bei ihrer Geburt von ihrem Vater Maximilian von Österreich als eine wertvolle Schachfigur auf dem Schachbrett der europäischen Politik eingesetzt. Sie war die Tochter von Maximilian von Österreich und seiner Gemahlin Maria von Burgund. Mit ihrem habsburgischen und burgundischen Erbe war sie eine sehr begehrenswerte Partie. Als Margaretha gerade zwei Jahre alt war, verheiratete sie ihr Vater an den Dauphin, den späteren Karl VIII. Sie wurde an den königlichen Hof im Schloss von Amboise geführt, wo sie eine französische Erziehung erhielt. 1491 wurde sie jedoch von ihrem Verlobten verstoßen, der in Anne de Bretagne eine lukrativere Hochzeit sah. Maximilian ließ sich nicht entmutigen und verheiratete seine Tochter an den spanischen Thronfolger, Johann von Kastilien. Es wurde eine Doppelhochzeit, da auch die Schwester Johanns sich mit Philipp dem Schönen, dem Bruder Margarethas, verheiratete. Johann starb noch in demselben Jahr. Obwohl Margaretha an einer dritten Hochzeit nicht wirklich interessiert war, heiratete sie 1501 Philibert II von Savoyen. Da ihr Mann sich nicht wirklich für Politik interessierte, übernahm sie praktisch seine gesamten Regierungsaufgaben. Auch dieser Ehe war kein langes Leben beschert; Philibert starb im Jahre 1504. Margaretha trug bis zu ihrem Tode die Witwenhaube, mit der sie auch auf der Banknote abgebildet ist.

500 Frankenscheins, Van Orley, Verso

500 Frankenscheins, Van Orley, Verso

Die Jugend Margarethas war das, was man ein bewegtes Leben nennt. Sie erlangte dadurch allerdings den enormen Vorteil einer genauen Kenntnis des Lebens an den europäischen Höfen. Sie hatte die internationale Politik gut im Blick. Darüber hinaus hatte sie sich auch ausgedehnte Sprachkenntnisse erworben, denn neben Französisch und Latein sprach sie auch Kastilisch.

Margaretha von Österreich

Margaretha von Österreich

Nach dem Tode ihres Bruders (1506) übernahm Margaretha von Österreich die Erziehung ihrer Neffen und Nichten. So kam auch der später Kaiser Karl der Fünfte in ihre Obhut. Als Vormund Karls wurde sie Regentin der Niederlande. Eines der bedeutendsten Werke Margarethas war die Wahl Karls zum Nachfolger Maximilians auf den Kaiserthron. Die Statthalterin war sich auch nicht zu schade, um sich selbst mit an den Verhandlungstisch zu setzen. So schloss sie 1529 Frieden mit dem französischen König (Frieden von Cambrai am 31. Juli 1529). Margaretha war nicht die einzige starke Frau m Verhandlungstisch. Auf der Gegenseite verhandelte Louise von Savoyen, die Königinmutter des französischen Königs. Darum wird dieser Frieden auch oft Damenfrieden genannt. Seine Bedeutung ist nicht zu unterschätzen. Die Habsburger mussten ihren Anspruch auf das Herzogtum Burgund endgültig aufgeben. Erneut bestätigte sich, dass Artesien und Flandern sich der Macht des französischen Königs entzogen. Hier entstand die spätere französisch-niederländische Grenze.

Neben einer rassigen Politikerin war Margaretha von Österreich auch die Patronin vieler Künstler. Und aus diesem Grund wurde die Statthalterin dann auch auf der Rückseite der Banknote mit Bernard Van Orley abgebildet. Dieser war nämlich Hofmaler der Habsburger. Der Hof in Mechelen war „the place to be“ für alle Humanisten und Künstler der Renaissance. Bernard Van Orley lud unter anderem Albrecht Dürer dorthin ein, wo dieser die Zeichnungen von Jacopo de Barbari, dem vorigen Hofmaler der Habsburger, zu Gesicht bekam.

Der 500 Frankenschein mit Bernard Van Orley und Margaretha von Österreich erschien am 2. Juli 1962 und gehörte zu der Serie, die den Malern und Wissenschaftlern des 16. Jahrhunderts gewidmet war. Mit dieser Serie wurden zum ersten Mal die Hauptfarben der belgischen Banknoten festgelegt: grün für 5000 Franken, braun für 1000 Franken, blau für 500 Franken und rot für 100 Franken. Auch in der Drucktechnik gab es Veränderungen: Für den Druck des Hintergrunds der Vorder- und Rückseite kam Offsettechnik zum Einsatz.

500 Frankenscheins, Van Orley, Recto

500 Frankenscheins, Van Orley, Recto

Für den Entwurf der gesamten Reihe wurde der italienische Zeichner Florenzo Marino-Bessi, ein Spezialist für die Erstellung von Modellen für Banknoten, hinzugezogen. Für das Porträt von Van Orley nahm er wahrscheinlich einen Kupferstich von Philipp Galle aus dem 16. Jahrhundert als Vorlage. Auf der Vorderseite sehen wir das Porträt von Bernard Van Orley mit dem Brüsseler Wappen (der Heilige Michael, den Drachen tötend) zu seiner Linken. Der Kopf von König Balduin dient als Wasserzeichen. Auf der Rückseite sehen wir das Porträt von Margaretha von Österreich. Als Vorlage diente ein Porträt des Hofmalers Van Orley. Eine Replik dieses Werks befindet sich augenblicklich im Königlichen Museum der Schönen Künste in Brüssel. Im Hintergrund ist der Hof von Savoyen zu erkennen, der Palast der Statthalterin und eines der ersten Renaissance-Gebäude in den Niederlanden.

Katrien Costermans
Museumführerin

Quellen

  • Het Belgische bankbiljet, Museum der BNB, 2001 (CD-Rom).
  • De Iongh J., De hertogin Margaretha van Oostenrijk, hertogin van Savoye (1480-1530), Amsterdam, 1981.
  • Belgische Nationalbank, The Belgian Frank. Belgian coins and banknotes since 1830, Brüssel, 1989.
  • Te Boekhorst B., Danneem M. & Randaxhe Y., Adieu frank. Het boeiende verhaal van België en zijn geld, Tielt, 2001.

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