Für jedes Ereignis eine eigene Münze  Share

Seit 2004 haben die Mitgliedsländer des Euro-Währungsgebiets die Erlaubnis des Europäischen Rats, pro Jahr und pro Land eine Gedenkmünze zu prägen, die im Euroraum gesetzliches Zahlungsmittel ist. Diese Münzen sollen an historische oder aktuelle Ereignisse von besonderer Bedeutung erinnern. Ein Land kann ausnahmsweise zwei Gedenkmünzen prägen, wenn eine von ihnen im gesamten Eurogebiet ausgegeben wird und sich auf ein wichtiges europäisches Ereignis bezieht. Diese Ausgaben sind jedoch an eine Vorschrift gebunden: Das betreffende Land hat die Europäische Kommission davon zu unterrichten, die ihrerseits die Informationen im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht.

2 euro, gemeinsame Seite

2 Euro, gemeinsame Seite

Nur 2-Euro-Münzen können als Gedenkmünzen ausgegeben werden. Wie die übrigen Euro-Münzen haben sie eine gemeinsame Seite und eine nationale Seite. Nur Letztgenannte wird verändert. Diese Münzen sind wie die anderen auch im gesamten Euro-Währungsgebiet gesetzliches Zahlungsmittel. Seit 2006 muss das Ausgabeland anhand seines Namens und einer Abkürzung auf der nationalen Seite deutlich erkennbar sein. Für die Auflage gilt eine Obergrenze, die bei einem symbolträchtigen Ereignis von universeller Bedeutung heraufgesetzt werden kann. In diesem Fall muss sich das betreffende Land allerdings verpflichten, vier Jahre lang keine Gedenkmünzen mehr auszugeben.

Als erstes Land hat Griechenland anlässlich der Olympischen Spiele von Athen im Jahr 2004 diese Art von Münze ausgegeben. Belgien begann 2005 mit der Prägung solcher Münzen und gab seither jährlich eine heraus. Im Raum 4 des Museums sind sämtliche belgischen Gedenkmünzen und die nationalen Münzen der 16 Mitgliedstaaten des Euroraums sowie des Fürstentums Monaco, des Vatikanstaats und der Republik San Marino zu sehen.

Es sei darauf hingewiesen, dass es auch andere Gedenkmünzen mit einem Wert von über zwei Euro gibt, die jedoch nur im Ausgabeland gesetzliches Zahlungsmittel sind und praktisch nicht verwendet werden. Da ihr Kaufwert höher ist als ihr Nennwert, werden sie ausschließlich für Sammler hergestellt. Als Beispiel sei die 100-Euro-Münze genannt, die 2009 anlässlich der goldenen Hochzeit von König Albert II und Königin Paola ausgegeben wurde.

2 Euro, Wirtschaftsunion Belgien-Luxemburg

2 Euro, Wirtschaftsunion Belgien-Luxemburg

2005 Wirtschaftsunion Belgien-Luxemburg

Auf dem Feld dieser Münze sind die nach links blickenden Portraits von Großherzog Heinrich von Luxemburg und – etwas im Vordergrund – von König Albert II von Belgien abgebildet, darunter die Jahreszahl 2005 und die Initialen des Graveurs Luc Luycx (LL). Am äußeren Rand sind die zwölf Sterne der Fahne der Europäischen Union sowie die Monogramme der beiden Herrscher zu sehen.

2 Euro, Wiedereröffnung des Atomiums

2 Euro, Wiedereröffnung des Atomiums

2006, Wiedereröffnung des Atomiums

Auf dem Feld der Münze ist das Atomium, die Darstellung eines Eisenkristalls, dargestellt – das Emblem der Brüsseler Weltausstellung von 1958 und ein Symbol für die damaligen neun belgischen Provinzen. Seine im März 2004 begonnene Renovierung wurde im Februar 2006 vollendet.

2 Euro, 50 Jahre Unterzeichnung des Römischen Vertrags

2 Euro, 50 Jahre Unterzeichnung des Römischen Vertrags

2007, 50 Jahre Unterzeichnung des Römischen Vertrags

Im Zentrum des Münzfelds steht der von den sechs Gründerländern der Europäischen Union (Belgien, Deutschland, Frankreich Italien, Luxemburg und Niederlande) unterzeichnete Gründungsvertrag. Im Hintergrund sieht man Michelangelos Bodenmosaik vom Kapitolsplatz in Rom, wo der Vertrag 1957 unterzeichnet wurde.

Der Römische Vertrag ermöglichte die Schaffung eines gemeinsamen Marktes, der den freien Verkehr der Produkte aller Wirtschafts¬zweige garantierte. Er legte somit den Grundstein für die Europäische Wirtschafts-gemeinschaft. Die Münze wurde gemeinsam von den 13 Mitgliedsländern des damaligen Eurogebiets ausgegeben, nachdem die europäischen Münzstätten einen Wettbewerb ausgeschrieben hatten. Die Inschriften lauten im oberen Teil PACTVM ROMANVM / QVINQVAGENARIVM; über dem Vertrag steht EUROPA/E und im unteren Teil die Jahreszahl 2007.

2 Euro, 60. Jahrestag der Verkündigung der Menschenrechte

2 Euro, 60. Jahrestag der Verkündigung der Menschenrechte

2008, 60. Jahrestag der Verkündigung der Menschenrechte

Im mittleren Teil des Münzfelds ist ein Rechteck zu sehen, in dem im oberen Teil ein Kreis und in unteren Teil die Zahl 60 abgebildet sind. Die dazwischen angebrachten gewölbten Linien, die an Palmen erinnern, setzen sich außerhalb des Rechtecks fort, unter dem die Worte UNIVERSAL / DECLARATION / OF / HUMAN RIGHTS stehen.

2 Euro, 10. Jahrestag der Wirtschafts- und Währungsunion, 10. Jahrestag des Euro

2 Euro, 10. Jahrestag der Wirtschafts- und Währungsunion, 10. Jahrestag des Euro

2009, 10. Jahrestag der Wirtschafts- und Währungsunion und zugleich 10. Jahrestag des Euro

Im Münzfeld ist eine stilisierte menschliche Gestalt zu sehen, deren verlängerter linker Arm das Euro-Zeichen (€) bildet. Der Umriss erinnert an die auf der griechischen 1-Euro-Münze abgebildete athenischen Tetradrachme. Dazu ist zu sagen, dass George Stamatopoulos, von dem dieses Motiv stammt, als Graveur bei der Münzstätte der Bank von Griechenland arbeitet. Seine Initialen stehen unter dem Euro-Symbol. Die von den 16 Ländern des Euroraums (der Vatikan, Monaco und San Marino sind keine Mitgliedstaaten des Euroraums, obschon sie den Euro als Währung haben) ausgegebene Münze trägt im oberen Teil den Namen des Ausgabelands, hier: BELGIE – BELGIQUE – BELGIEN, wobei rechts und links davon die Zeichen des Commissaire des Monnaies und der Münzstätte stehen. Der untere Teil enthält die Abkürzung EMU (Economic Monetary Union) sowie die Jahreszahlen 1999 – 2009. Der Gestaltungsentwurf dieser Münze wurde per Online-Abstimmung von den Bürgern und Einwohnern der Europäischen Union aus fünf Bildnissen ausgewählt. Das gewählte Motiv symbolisiert die Idee von der Einheitswährung sowie der Wirtschafts- und Währungsunion als Krönung der langen Geschichte der Handelsbeziehungen und der wirtschaftlichen Integration in Europa.

Aufgrund ihrer limitierten Auflage sind diese Münzen bei den Sammlern recht beliebt und bleiben nicht lange im Umlauf. Da diese Sondermünzen jedoch häufig herausgegeben werden, entdeckt man immer wieder etwas Neues im Geldbeutel.

Valérie Pede,
Museumsführerin

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