Nový člen eurozóny (Ein neues Euroland)  Share

Wie viele Euroländer gibt es eigentlich? 27? Falsch! Die Europäische Union hat zwar seit dem 1. Januar 2007 27 Mitgliedstaaten, die Eurozone umfasst jedoch weniger Länder. 12? Da kommen wir der Sache schon näher! Im Jahr 2002 war diese Antwort noch korrekt. Also 15? Bis vor kurzem stimmte das noch, aber inzwischen hat das Jahr 2009 begonnen, in dem die Eurozone ihren 16. Mitgliedstaat willkommen heißt: die Slowakei. Höchste Zeit also, sich mit den neuesten Euro-Münzen vertraut zu machen. 

die SlowakeiEin Land, acht Münzen, drei Motive

Seit dem EU-Beitritt der Slowakei am 1. Mai 2004 interessierten sich die slowakischen Bürger sehr für die Nationalseite ihrer zukünftigen Euro-Münzen. Die Entscheidung, welche Motive das Land inner- und außerhalb seiner Grenzen am besten repräsentieren würden, fiel im Rahmen einer breit angelegten Abstimmung. 56 Künstler unterbreiteten 64 Vorschläge und nicht weniger als 658 Motive für die 8 Münzen umfassende Serie.

Die Vorauswahl wurde zwischen März und Oktober von verschiedenen Jurys getroffen. An der Entscheidung waren u.a. Vertreter der slowakischen Zentralbank Národná banka Slovenska (NBS) sowie Gutachter verschiedener wissenschaftlicher und kultureller Einrichtungen, Künstler und Kunsthistoriker beteiligt. Sie legten Wert auf den symbolischen Charakter und die künstlerische Qualität der Entwürfe.

10 Entwürfe kamen in die zweite Runde und wurden der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die slowakischen Staatsbürger konnten im Rahmen eines Referendums den Entwurf auswählen, der ihnen am besten gefiel. Das Gremium der NBS wählte aus den 140.653 Stimmen schließlich die 3 Entwürfe aus, die bei allen an der Abstimmung Beteiligten am beliebtesten waren. 

Die Sieger sind …

Mit 33.068 Stimmen siegte eindeutig das Doppelkreuz des slowakischen Landeswappens. Dieses Motiv ist als Sieger auf den 1- und 2–Euro-Münzen zu sehen. Zweitplaziert wurde mit 24.589 Stimmen der Berg Kriváň, der auf den 1-, 2- und 5-Cent-Münzen abgebildet ist. Den dritten Platz erreichte schließlich die Burg Bratislava, die dank 21.792 Stimmen auf den 10-, 20- und 50-Cent-Müzen dargestellt wird.

Ein silbernes Doppelkreuz auf drei kleinen Bergen

 

Wappen der SlowakeiDas Wappen der Slowakei ist auf der Landesflagge abgebildet. Es besteht aus einem silbernen Doppelkreuz, das auf dem Gipfel des mittleren von drei kleinen, dunkelblauen Bergen steht. Dieses Motiv befindet sich auf einem frühgotischen Schild vor rotem Hintergrund. Das Wappen war bereits auf der Bildseite der ehemaligen slowakischen Kronen- und Hellermünzen zu sehen. Dieses Emblem ist nicht nur das Hauptmotiv der 1- und 2-Euro-Münzen, es ist auch klein auf den anderen Münzen abgebildet.

Was bedeutet dieses Wappen? Eine mögliche Erklärung ist, dass es die Slowakei als Land und ihre Geschichte repräsentiert. Das Doppelkreuz symbolisiert die christliche Religion oder die byzantinische Tradition, und die drei kleinen Berge stehen für die slowakischen Gebirge Mátra, Tátra und Fátra, auch wenn das erstgenannte heute zu Nordungarn gehört. Die Slowakei und Ungarn haben nämlich nicht nur eine gemeinsame Grenze, sondern auch eine gemeinsame Geschichte. Bis 1920 war die Slowakei eine ungarische Provinz des ehemaligen Königreichs Österreich-Ungarn. Daher verwundert es nicht, dass Teile der Landeswappen der beiden Staaten gleich sind: Auf beiden ist das Doppelkreuz auf drei kleinen Bergen dargestellt, obwohl die abgebildeten Gebirge in beiden Ländern liegen. Der Entwurf der Nationalseite der 1- und 2-Euro-Münzen stammt von Ivan Řehák. Das Kreuz hebt sich reliefartig vom Hintergrund ab, der an stilisiertes Gestein erinnert.

Ein Bergvolk

5-Cent-MünzDie Slowaken lieben ihre Gebirge, die häufig Gegenstand der Werke ihrer Dichter und Liedermacher sind. Auch die Nationalhymne Nad Tatrou sa blýska bringt diese Liebe zum Ausdruck: “Es blitzt über der Tatra, wild grollen die Donner.” So wundert es niemanden, dass eines der Motive einem Berg, dem Berg Kriváň, gewidmet ist.

Der Berg Kriváň in der Hohen Tatra (2.494 m) ist nicht nur als schönster Gipfel des Landes bekannt, sondern steht auch im Mittelpunkt mehrerer wichtiger Ereignisse. Er symbolisiert das Nationalbewusstsein, die Sicherung des Territoriums und der Unabhängigkeit und natürlich auch die unberührte Natur.

Das Gebirge ist nicht zum ersten Mal auf Münzen abgebildet: bereits die ehemalige 20-Heller-Münze trug das Bild dieses Bergs. Erstaunlich ist das nicht, denn Drahomír Zobek, der Designer der 1-, 2- und 5-Cent-Münzen, hatte auch die letzten slowakischen Kronen-Stücke entworfen. 

Eine Burg für wenige Cent

50-Cent-MünzDer Entwurf von Ján Černaj und Pavel Károly wurde als Motiv für die Nationalseite der 10-, 20- und 50-Cent-Münzen ausgewählt. Die Burg Bratislava, die bereits seit über 12 Jahrhunderten zum Stadtbild gehört, erfuhr im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen. Der Ursprung dieses imposanten Baudenkmals geht auf das 9. Jh. zurück. 1811 wurde die Burg durch einen Brand völlig zerstört, und erst ca. eineinhalb Jahrhunderte später, 1953, wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Die auf einem Felshügel gelegene Burg ragt nunmehr wie einstmals über der Stadt und der Donau empor.

Soviel zu den Münzen. Vielleicht hat Ihnen diese Präsentation Lust gemacht, das Land selbst kennen zu lernen und eine Reise in die Slowakei zu planen. Eventuell haben Sie aber in der Zwischenzeit auch schon einige der neuesten Euromünzen in Ihrem Portemonnaie.

Estelle Piraux
Museumsführerin

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