Eine der letzten Münzen Julius Cäsars  Share

In Historikerkreisen herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Julius Cäsar ein großer Staatsmann war. Er war außerdem der erste Römer, der sich selbst auf einer seiner Münzen darstellen ließ. Und auch zwei Jahrtausende später ist sein Name in aller Munde und beflügelt die Phantasie. Wer war dieser berühmte Herrscher? 

Münzen mit dem Porträt Julius CäsarsVon der Demokratie zur Diktatur

Die im Jahre 480 v. Chr. gegründete Römische Republik entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Staatsorganisation, in der Gleichheit und Demokratie hochgeschätzte Werte waren. Während der Republik wurde der Staat vom Senat regiert, der sich aus Mitgliedern der führenden Familien zusammensetzte. Bei Plenarsitzungen konnten die Bürger die Themen diskutieren, die sie bewegten. Die Exekutivgewalt lag bei den Magistraten, die für einen Zeitraum von einem Jahr gewählt wurden. Sie verfügten jedoch nicht über eine absolute Macht, da sie nur zusammen mit den anderen Magistraten handlungsfähig waren.

Während des ersten Jahrhunderts v. Chr. wurde das Reich von einer Reihe sich abwechselnder revolutionärer und konterrevolutionärer Bewegungen erschüttert, die als Römische Revolution bezeichnet werden. Bürgerkriege, die teilweise die Folge einer ausgeprägten Expansionspolitik waren, verwüsteten Rom. Der Regierungsapparat wurde neu organisiert, um den Zielen einer einzigen Person zu dienen – denen des Kaisers. Und es war Julius Cäsar, der das Republikanische Rom mit dem Römischen Reich verband.

Julius Cäsar

Pompeius, Crassus und Cäsar bildeten das Erste Triumvirat (60 v. Chr.). Es war mehr als nur eine reine Vereinbarung zu Wahlzwecken. Gemeinsam regierten sie Rom und strebten eine langfristige Herrschaft an. Besonders Cäsar verfolgte ehrgeizige Pläne. Im Jahre 53 v. Chr. erlitt Crassus, einer der Triumvirn, eine schwere Niederlage und fand den Tod im Kampf gegen die Parther. Von da an war Pompeius der Hauptrivale Cäsars. Geld sollte Cäsar helfen, möglichst viele Sympathisanten und Gefolgsleute für sich zu gewinnen und sein Ideal der Freiheit für das Volk zu unterstützen. Sein Rivale, der die Freiheit für den Senat forderte, schätzte die Situation falsch ein und musste aus der Stadt fliehen. Von beiden Parteien gingen Friedensangebote aus, die jedoch keinen Kompromiss herbeiführen konnten und am Ende nur noch Propagandazwecken dienten. Nachdem Pompeius Rom verlassen hatte und nach Griechenland geflohen war, wollte er die Truppen Cäsars in Italien umzingeln. Als Cäsar nach Rom zurückgekehrt war und die Stadt erobert hatte, veranlasste er die Entsendung einiger Truppen nach Spanien, um die Pläne seines Gegners Pompeius zu vereiteln. Cäsar erreichte sein Ziel und kehrte nach Rom zurück, wo er zum Diktator befördert wurde, allerdings nur für einen kurzen Zeitraum von elf Tagen. Es kam zu einer Meuterei, weil die Soldaten ihre versprochene Beute nicht erhielten. Aufgrund seiner Fähigkeiten und in Ermangelung eines anderen geeigneten Führers blieb Cäsar jedoch an der Macht. Er beschloss die Aussendung seiner Truppen nach Griechenland, um Pompeius’ Armee zu bekämpfen. Pompeius erlitt eine verheerende Niederlage und floh nach Ägypten, wo er im Jahre 48 v. Chr. durch einen Meuchelmord getötet wurde. Danach war Julius Cäsar während eines Jahres als Diktator an der Macht. In dieser Zeit führte er eine Reihe von Kriegen, um seine Macht zu festigen. Im Dezember des Jahres 47 v. Chr. schlug er seinen republikanischen Gegner Cato. Als diese Nachricht Rom erreichte, zollte die Stadt dem siegreichen General Tribut und bot ihm die Diktatur für ganze zehn Jahre an.

Im Nachhinein könnte man sagen, er war ein passabler Staatsmann. Er nahm keine willkürlichen Änderungen am Staatsapparat vor, und die von ihm erlassenen Gesetze stellten sich nicht als unvernünftig heraus. Während Cäsar überzeugt war, die Fäden in der Hand zu halten, schmiedete eine Gruppe frustrierter Senatoren Rachepläne. Die gut vorbereitete Verschwörung erreichte ihren Höhepunkt am 15. März des Jahres 44 v. Chr., als Cäsar durch 23 Messerstiche getötet wurde. Mit dem Tod Cäsars endete die römische Republik, und sein Nachfolger war der erste einer langen Reihe Römischer Kaiser. Viele haben versucht, in seine Fußstapfen zu treten, aber keiner konnte jemals seinen Ruhm erreichen.

Münzen mit dem Porträt Julius Cäsars

Der Stolz und die Eitelkeit Julius Cäsars wurden vielerorts belächelt, z.B. in den Comic-Bänden über die Abenteuer von Asterix und Obelix. Er war tatsächlich der erste lebende Römer, der es wagte, sein eigenes Porträt auf einigen seiner Münzen anbringen zu lassen. Damit wollte er allen Untergebenen zeigen, dass er der alleinige Herrscher Roms war. Er betrachtete Münzen nicht nur als Zahlungsmittel, sondern auch als Propaganda in einer Zeit, in der es keine anderen Medien gab.

Auf der Vorderseite dieses Denarius aus dem Jahre 44 v. Chr. ist das Porträt Cäsars zu erkennen. Wahrscheinlich hat eine frühe Skulptur aus Wachs oder Marmor den Stanzern als Modell gedient. Das Gesicht des Generals zeigt nach rechts und er trägt einen Lorbeerkranz, das Sinnbild für den Sieg und die politische und religiöse Herrschaft. Die Inschrift Caesar dict perpetvo bedeutet so viel wie „Cäsar, Diktator auf ewige Zeiten“.

Auf der Rückseite ist die Göttin Venus als Venus Victrix (Siegesbringerin) dargestellt. Sie spielte eine wichtige Rolle für Cäsar und dessen Familie, die Julii Caesares, deren Abstammungslinie bis zu ihr zurückreicht, und der Cäsar seine triumphale Laufbahn zuschreibt. Als Hinweis auf seine zahlreichen Siege hält sie eine Viktoria in ihrer linken Hand. In der rechten Hand hält sie ein Zepter mit einem sternförmigen Schild am unteren Ende. Zepter und Schild weisen auf die Kriegsführung als eine von Cäsars Lieblingsbeschäftigungen hin. Der Name P. Sepvllivs Macer ist der Name eines der monetales bzw. Münzmeister, die für das Münzwesen zuständig waren. Sie organisierten und kontrollierten alle Arbeiten in der Münzerei im Zusammenhang mit der Münzprägung. Nach Cäsars Tod ließen alle römischen Kaiser Münzen mit ihrem eigenen Porträt prägen. Und noch heute ist es üblich, dass Münzen den herrschenden Monarchen darstellen. Stolz und Eitelkeit sind eben zeitlos.  

Kaufkraft 
€spèces de Romains. Monnaies uniques, Musée/Site d’Archéologie, Bavay, 2003, p. 73 

Ineke Meul
Museumsführerin

Nach:

  • Zadoks- Josephus A. & Van Es W., Muntwijzer voor de Romeinse Tijd, De Haan, Bussum, 1974, 110 pp.
  • Meijer F., Keizers sterven niet in bed. Van Caesar tot Romulus Augustulus (44 v.C.-476 ), Amsterdam, Polak & Van Gennep, 2004, 229 pp.
  • Lane Fox R., De klassieke wereld. Een epische geschiedenis van de Grieken en de Romeinen, Amsterdam, Uitgeverij Bert Bakker, 2007, 815 pp.