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1851: die Nationalbank druckt ihre ersten Banknoten

Die Nationalbank ist heute die einzige Bank in Belgien, die Banknoten druckt. Dies war nicht immer so, auch wenn es uns selbstverständlich erscheint. Die erst im Jahre 1850 gegründete belgische Nationalbank brachte ihre ersten Banknoten 1851 in Umlauf. Sie wurden im Zusammenhang mit der Gründung der Nationalbank aufgelegt, die das Vertrauen der Bevölkerung nach der Bankenkrise zwischen 1830 und 1850 erst gewinnen musste.

Erstes 1000 belgische Franken-Banknote

Erstes 1000 belgische Franken-Banknote

Die erste provisorische Banknotenserie umfasste 5 Stückelungen: 20, 50, 100, 500 und 1000 Franken. Betrachten wir nun einmal die größte, die 1000 Franken-Banknote, von der nur 45.000 Exemplare gedruckt wurden (sie befindet sich im Saal vier im Schaukasten 18 neben dem niederländischen Zeitstrahl). Ihre niedrige Auflage lässt sich leicht durch ihren hohen Wert erklären: 1000 Franken waren 1851 ungefähr so viel wert wie heute 242.300 Franken oder 6006,50 Euro. Um die Bevölkerung zu überzeugen, mussten die Banknoten von guter Qualität sein. Das Papier musste widerstandsfähig und fälschungssicher sein. Die Nationalbank wandte sich mit dieser Anforderung an das Papierwerk Demeurs in Rhode-Saint-Genèse, wo Papier in einem manuellen Verfahren mit Stoff und Gelatinekleber hergestellt wurde. Aus jedem Blatt wurde nur ein Geldschein hergestellt.

 

Wahlspruch des LandesDie Gestaltung der Banknote war für die Öffentlichkeit von größter Bedeutung. Der Text in der Mitte bezeichnete in französischer Sprache den Wert der Banknote (insgesamt dreimal auf der Vorderseite), das Datum des 5. Mai 1850 (das Gründungsdatum der Nationalbank) und die Identität des Emittenten. Im Gegensatz zu den meisten später gedruckten Banknoten tragen die aus dem Jahr 1851 den Vermerk „Royaume de Belgique“ (Königreich Belgien). Dieser Hinweis auf den jungen belgischen Staat wird noch unterstrichen durch den Wahlspruch des Landes „l’Union fait la force” (Einigkeit macht stark). Der belgische Löwe ist in einer Kartusche über zwei gekreuzten Zeptern dargestellt. An der Spitze des einen Zepters befindet sich eine Hand der Gerechtigkeit, an der anderen eine Replik des Löwen. Das Wappen mit der Königskrone ist von Lorbeer- und Eichenzweigen umsäumt.

Die Unterschrift war ein wichtiger Bestandteil der Banknote. Sie bescheinigte die Echtheit des Dokuments und stellte lange Zeit eine Auszahlungsgarantie dar. Alle belgischen Banknoten weisen eine oder mehrere Unterschriften auf. Die 1000 Franken-Banknote aus dem Jahre 1851 hat insgesamt drei. Unten rechts befindet sich die Unterschrift des Gouverneurs François-Philippe de Haussy, d. h. der höchsten politischen Instanz (oder des Vize-Gouverneurs L. Deswert, der die Unterzeichnungsbefugnis während dessen Abwesenheit hatte). Die zweite Unterschrift, unten links, ist die des Leiters der Druckerei (L.-I Doucet oder E. Prévinaire). Und ganz außen links befindet sich die dritte Unterschrift, die des zuständigen Kontrolleurs Chantraine. An dieser Stelle hat die Banknote eine kalligraphierte Bordüre, wo die Worte „Banque Nationale“ aufgedruckt sind. Nur ein Teil ist sichtbar, der andere blieb als Kontrollabschnitt in dem Heft zurück, aus dem die Banknote entnommen wurde. Der Kontrolleur war für die Eintragung und die abschließende Kontrolle, d.h. für die eigentliche Ausgabe der Banknoten zuständig. Bei Zweifeln an der Echtheit eines Geldscheins genügte es, den Kontrollabschnitt zu finden und die Übereinstimmung der beiden Teile zu überprüfen. 1869 wurde der Kontrollabschnitt endgültig abgeschafft und die Unterschrift verschwand von den Banknoten. Die Banknoten wurden damals per Hand unterzeichnet und nummeriert, da man es für schwieriger hielt, handgeschriebene Wörter und Zahlen zu fälschen als gedruckte.

 

Engel blättert in einem BuchNeben Textelementen ist die Banknote mit Zeichnungen und Gravuren des berühmten Medailleurs und Münzmeisters Léopold Wiener gestaltet . Sein Name ist im unteren linken Bereich aufgedruckt (WIENER FECIT). Die Bildgestaltung besteht aus einem Rahmen mit zahlreichen dekorativen Elementen und sechs Figuren, davon vier Engel. Die Illustration ist eher spärlich und auf den Rand beschränkt, enthält aber dennoch eine Reihe von fundamentalen Botschaften, die sich auf den belgischen Staat und die Nationalbank beziehen. Der Engel unten links stützt sich auf ein Rad und einen überquellenden Korb mit reifen Früchten. Diese beiden Darstellungen sind Symbole für Industrie und Reichtum und sollen andeuten, dass der Wohlstand mit dem industriellen Fortschritt einhergeht.

 

Engel stützt sich auf ein RadDer Engel unten rechts blättert in einem Buch, in dem man geometrische Formen erkennen kann, die die Wissenschaft und das Studium der Kunst symbolisieren sollen. Der Engel oben links hält ein Schwert und eine Waage, was die Bedeutung einer strengen aber gerechten Justiz zum Ausdruck bringen soll. Der Engel oben rechts hält einen Olivenzweig in der rechten Hand und eine Fackel in der linken. Diese beiden Elemente stellen einen Zusammenhang zwischen dem Fortschritt des Landes und der Notwendigkeit eines dauerhaften Friedens her. Um die Kartuschen des rechten und linken Randes der Banknote zu füllen, ging Léopold Wiener bis in die griechisch-römische Antike zurück. Der geflügelte Helm und der Heroldstab der rechten Gestalt deuten auf Merkur, den römischen Gott des Handels, hin. Die mit ihm zusammen dargestellten Gegenstände, Zahnrad und Hammer, stellen ebenfalls einen Bezug zur Industrie her. In der links dargestellten Figur erkennt man Ceres, die römische Göttin des Ackerbaus. Auf ihrem Schubkarren sind Erntegarben, ein Bienenstock und einige landwirtschaftliche Geräte aufgeladen.

 

Engel hält ein Schwert und eine WaageSomit bringen einige Verzierungen die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft, des Handels und der Industrie zum Ausdruck, während sich andere auf gesellschaftliche Werte wie Rechtssicherheit, Fortschritt, Kunst und Wissenschaft beziehen. Seit dieser Zeit können wir beobachten, wie Banknoten zur Darstellung einer Nation und deren Selbstbild genutzt werden.

Auf der Vorderseite der Banknote sind noch die schwarzen und roten Marken zu erkennen, die auf die Papiersteuer hinweisen, welche die Nationalbank damals zu entrichten hatte. Für 500- und 1000 Franken-Banknoten betrug diese Steuer ein Franken.

 

Engel Hält einen Olivenzweig und eine FackelDie Rückseite der Banknote ist genauso wie die Vorderseite bedruckt, nur spiegelverkehrt. Das rote Sicherheitsfeld in der Mitte, das durch einen Rahmen aus feinen horizontalen Linien begrenzt wird, bildet den einzigen Unterschied. Diese Thematik bildet das Gegenstück zu der Bildgestaltung auf der Vorderseite: Engel, die sich um einen Bienenstock scharen, symbolisieren Emsigkeit und Sparsamkeit. Diese Vignette sollte die Banknote vor Fälschungen schützen.

Trotz aller Bemühungen, diese erste Banknotenserie so sicher und offiziell wie möglich zu machen, stand ihr die Öffentlichkeit weiterhin kritisch gegenüber. Die ersten Auflagen der Banknoten richteten sich daher in erster Linie an Geschäftsleute zur Durchführung wichtiger Handels- und Wechselgeschäfte. Die 1000 Franken-Banknoten wurden 1854 aus dem Verkehr gezogen.

Laurence Herman
Museumsführerin