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Einführung des Euro auf Zypern und Malta

Am 1. Januar 2008 wurde die Eurozone durch den Beitritt Zyperns und Maltas von 13 auf 15 Mitgliedstaaten erweitert.

Beide Länder sind erst seit wenigen Jahren, genauer gesagt seit dem 1. Mai 2004, Mitglieder der Europäischen Union. Ihr rascher Eintritt in die Währungsunion ist ein Zeichen für die äußerst erfolgreiche Anpassung der Wirtschaftssysteme beider Länder. Bald werden wir den neuen Euro-Münzen der beiden Länder begegnen. Im Gegensatz zu Belgien haben Zypern und Malta drei unterschiedliche Motivprägungen gewählt: eine für die kleinsten Münzen, eine zweite für die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen und eine dritte für 1- und 2- Euro-Münzen.

MaltaMalta ist ein kleiner, dicht bevölkerter Mittelmeerstaat, der aus insgesamt acht Inseln besteht. Die größten Inseln sind Malta, Gozo und Comino. Das Staatsgebiet umfasst 316 km² (ca. 1/10 des belgischen Staatsgebiets). Drei Viertel der Gesamtbevölkerung (ca. 300.000) leben in der Hauptstadt Valletta und deren Umgebung.

Das Land hat eine bewegte Geschichte, in deren Verlauf zahlreiche Völker versuchten, die Herrschaft über diese strategisch bedeutende Inselgruppe zu gewinnen: phönizische Händler, Römer, Araber, Wikinger, Habsburger, Malteserritter, Napoleon und zuletzt die Briten. 1802 wurde Malta dem britischen Königreich unterstellt und erlangte am 21. September 1964 schließlich seine Unabhängigkeit innerhalb des Commonwealth. Seit 1974 ist Malta eine Republik

Beispiele dieser bemerkenswerten Geschichte finden sich auf den maltesischen Euromünzen. Anders als in anderen Ländern des Eurosystems, in denen Experten für die Gestaltung der Münzen verantwortlich waren, hatten die Bürger Maltas ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Motive. Aus einer Reihe von Motiven konnten Sie ihren Favoriten auswählen, der dann auf den 1- und 2-Euro-Münzen abgebildet wurde. Das zweite Motiv wurde für die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen, und das dritte für die kleinen Münzen verwendet.

Mnajdra

Mnajdra

Die 1-, 2- und 5-Cent-Münzen zeigen ein Bauwerk aus der frühesten Geschichte des Landes. Die prähistorische Tempelanlage von Mnajdra datiert aus der Zeit um 3600 v. Chr. Er ist der älteste Großtempel, der in der späten Steinzeit auf Malta und den umliegenden Inseln erbaut wurde. Die mit Querbalken abschließenden aufrechten Steinsäulen gehören zu den ersten religiösen Steinbauten der Geschichte. Der Tempel vom Mnajdra ist ungefähr ein halbes Jahrtausend älter als Stonehenge, ein ebenfalls sehr bekanntes Megalith-Monument.

Für die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen wurde ein Gegenwartsmotiv gewählt. Auf den Münzen ist die Republik Malta mit ihrem Wahrzeichen abgebildet. Das Wappenschild zeigt die Nationalflagge und eine Mauerkrone, welche die Festung von Malta, ein Symbol für den Stadtstaat, darstellen soll. Links ist das Wappenschild von einem Olivenzweig und rechts von einem Palmzweig gesäumt. Diese beiden Symbole werden traditionell als Friedenssymbole mit Malta in Verbindung gebracht. Die Festungsstadt Valletta wurde im 16. Jahrhundert durch den Ritter- und Hospitalorden des Hl. Johannes (auch Malteserorden genannt) erbaut und diente als Bastion des abendländischen Christentums im gesamten Mittelmeerraum. Der historische Stadtteil ist sehr gut erhalten und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

achtspitzige KreuzDas bei der maltesischen Bevölkerung beliebteste Motiv ist das achtspitzige Kreuz, das Wahrzeichen des Malteserorderns. Während seiner Herrschaft über Malta in den Jahren 1530 bis 1798 wurde das achtspitzige Kreuz zum Symbol für die Insel und wird heute oft als Malteserkreuz bezeichnet. Die acht Spitzen des Kreuzes beziehen sich auf die acht Seligpreisungen in der Bergpredigt (Matthäus 5-7).

Zypern

Zypern

Mit einer Fläche von 9.251 km² ist Zypern die drittgrößte Mittelmeerinsel (nach Sizilien und Sardinien). Obwohl die Insel wesentlich größer ist als Malta, ist sie mit ihren 790.000 Einwohnern weit weniger dicht besiedelt. Die Umstellung auf den Euro erfolgt nicht in ganz Zypern, sondern lediglich im südlichen griechischsprachigen Teil der Insel.

Ihre strategische Lage sowie ihre Erzvorkommen spielten in der Geschichte der Insel eine wichtige Rolle. Die erste menschliche Besiedlung geht auf die neolithische Zeit zurück, nach unserer heutigen Berechnung also weit früher als 6000 v. Chr. Um 1200 v. Chr. kamen erstmals griechische Siedler auf die Insel, und seitdem stand Zypern unter dem Einfluss und der Kontrolle verschiedener Völker, die den Mittelmeerraum beherrschten, von den Phöniziern über die Assyrer bis hin zu den Briten. Und sollten Sie sich jemals gefragt haben, woher der Name Zypern kommt – er leitet sich von dem lateinischen cuprum (Kupfer) ab.

zypriotische MufflonFür die Gestaltung der Euromünzen ließen sich die Zyprioten sowohl von ihrer Geschichte als auch der Natur inspirieren. Auf den 1-, 2- und 5-Centmünzen ist ein zypriotisches Mufflon abgebildet. Mufflons sind kleine Wildschafe mit langen, nach hinten gebogenen Hörnern. Die Tiere wurden durch die ersten prähistorischen Siedler auf die Insel gebracht und breiteten sich von dort über die ganze Insel aus. Heute sind Mufflons die einzigen noch existierenden Wildtiere auf der Insel. Sie gelten als wichtiges Naturerbe der Insel und stehen unter strengem Artenschutz.

Auf den 10-, 20- und 50-Cent-Münzen ist das “Schiff von Kyrenia” abgebildet. Das Schiff ist nach der im türkischen Teil gelegenen Stadt Kyrenia benannt. Dort wurde 1969 ungefähr 800 Meter von der Küste entfernt das Wrack eines Schiffs entdeckt, das aus der Zeit um 300 v. Chr. stammt. Dieses besonders gut erhaltene Wrack eines griechischen Handelsschiffs ist das einzige Schiff aus der griechischen Antike (750-146 v. Chr.), das bisher geborgen wurde. Es zeugt von der Vergangenheit Zyperns als Seefahrernation und Handelszentrum.

Idol von Pomos

Die kreuzförmige Statue, die auf den 1- und 2- Euro-Münzen dargestellt ist, stammt aus der Kupferzeit (3000 v. Chr.). Sie ist als “Idol von Pomos” bekannt und wurde nach dem Dorf benannt, in dem sie gefunden wurde. Solche Statuen oder Idole gibt es in den unterschiedlichsten Größen, von wenigen Zentimetern bis zu 1,5 Metern. Kleinere Varianten wurden oft als Glücksbringer getragen. Die ausgebreiteten Arme des “Idols von Pomos” lassen mit großer Wahrscheinlichkeit auf seine Funktion als Fruchtbarkeitssymbol schließen. Dieses charakteristische Beispiel prähistorischer Kunst zeugt von der Stellung Zyperns als Wiege der Zivilisation und Zentrum der Antike.

Durch den Beitritt Maltas und Zyperns zur Eurozone erhalten Sammler und gewöhnliche Benutzer des Euro einen Einblick in die Geschichte und die Besonderheiten der beiden südlichsten Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Natan Hertogen
Museumsführer