Die Römischen Verträge  Share

 €2-Gedenkmünze

„Der 25. März 1957 wird als eines der wichtigsten Daten in die Geschichte Europas eingehen …“

Das sagte Paul-Henri Spaak bei der Unterzeichnung der Römischen Verträge durch die ersten sechs Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft (Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg). Diese Verträge waren ein wichtiger Schritt zur europäischen Einheit.

Einleitung

25.03.1957 Paul-Henri Spaak & Jean-Charles Snov et d'Oppuers
25.03.1957 Paul-Henri Spaak & Jean-Charles Snov et d’Oppuers

Im Mai 1945, am Ende des zweiten Weltkriegs, lag Europa zum wiederholten Mal in Schutt und Asche. Einige Politiker waren zunehmend davon überzeugt, dass Zusammenarbeit und Einheit in Europa unerlässlich waren, um weitere, verheerende Konflikte zu verhindern. Eine besonders wichtige Rolle spielte bei diesem neuen politischen Bewusstsein die Gefahr eines Atomkriegs. Ein erster Schritt war am 9. Mai 1950 die Schuman-Erklärung. Der damalige französische Außenminister Robert Schuman und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer einigten sich darauf, Entscheidungen über die Kohle- und Stahlproduktion in Zukunft unter der Kontrolle einer überstaatlichen Organisation zu treffen. Zum Gedenken an diese Vereinbarung wurde der 9. Mai zum Europatag erklärt. Auch die Beneluxstaaten und Italien schlossen sich den Verträgen an, und 1951 wurde die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet, die den Römischen Verträgen den Weg ebnete.

Die Verträge

Römische VerträgeUnter dem Einfluss wichtiger Pioniere des europäischen Gedankens, z.B. des belgischen Außenministers Paul-Henri Spaak, des ehemaligen Präsidenten der EGKS Jean Monnet und des deutschen Staatssekretärs im Auswärtigen Amt Walter Hallstein, wurden die Verträge am 25. März 1957 auf der Piazza del Campidoglio in Rom unterzeichnet. Gegründet wurden zwei Gemeinschaften: Euratom und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft.

Bei der Unterzeichnung der Verträge passierte ein peinliches Missgeschick: die endgültigen Vertragsfassungen waren nicht fertig, so dass die Minister Blankounterschriften leisten mussten. Bei der Besiegelung, mit der die Verträge offiziell in Kraft traten, hatte jedoch alles seine Richtigkeit.

Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft war gleichbedeutend mit freiem Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr. Dies war allein der Entschlossenheit der sechs Mitgliedstaaten zu verdanken, ihre Sozial-, Währungs- und Steuerpolitik zu koordinieren, und ihrer Bereitschaft zu einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik.

Die Rolle der Römischen Verträge für die europäische Einheit

Die Römischen Verträge leiteten die lange Phase der europäischen Integration ein – ein Weg, der mit zahlreichen Diskussionen und Plänen wie dem Werner-Plan (1970), dem Delors-Bericht (1989), aber auch dem Beitritt neuer Länder zur Gemeinschaft – als erste Großbritannien, Irland und Dänemark im Jahr 1973 und als bisher letzte im Jahr 2007 Bulgarien und Rumänien – gepflastert war. Der Vertrag von Maastricht (1992) stellte einen Wendepunkt dar. Im Kielwasser der 1957 in Rom getroffenen Entscheidungen sah der Vertrag von Maastricht die Gründung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) mit einer gemeinsamen Währung (dem Euro) und einer europäischen Zentralbank (EZB) vor.

Eine europäische Gedenkmünze

2 euro
2 Euro

Die Mitglieder der Eurozone haben beschlossen, am 25. März 2007 anlässlich des 50. Jahrestags der Unterzeichnung der Römischen Verträge eine gemeinsame 2 €-Gedenkmünze herauszugeben. In den dreizehn Ländern wurden Millionen von Münzen geprägt, deren nationale Seite zum ersten Mal ein gemeinsames Bild zeigt: das von den sechs Gründungsmitgliedern unterzeichnete Dokument und im Hintergrund eine symbolische Darstellung des Pflasters der Piazza del Campidoglio in Rom, wo die Verträge unterzeichnet wurden. In der Landessprache bzw. in Latein erscheinen jeweils „Römische Verträge 50 Jahre“, „Europa“ und der Landesname. Auf der in Belgien geprägten Münze ist „Europa“ und „Belgien“ jeweils in den drei offiziellen Sprachen (Niederländisch, Französisch und Deutsch) vermerkt, während „Römische Verträge 50 Jahre“ in Latein erscheint. Wie alle 2 €-Gedenkmünzen ist auch dieses Geldstück in der Eurozone ein gesetzliches Zahlungsmittel.

Dies ist im Übrigen nicht das erste Mal, dass Belgien durch die Prägung einer Münze der Römischen Verträge gedenkt. Bereits 1987 und 1997 anlässlich des 30. bzw. 40. Jahrestags der Verträge wurden Münzen herausgegeben, die auf ECU, sozusagen den Vorläufer des Euro, lauteten. Neben der 2 €-Gedenkmünze, „Museumobject“ vom Mai 2007, wird im Museum auch die 50 ECU-Goldmünze von 1987 mit dem Abbild Karls des V. ausgestellt. Diese Münze finden Sie in der Vitrine 20 (Nr. 15).

Sicherlich werden Sie verstehen, dass die Römischen Verträge aufgrund ihrer Wichtigkeit mehrere Gedenkmünzen verdienen!

Marie Pasteger & Thomas Wieme
Museumsführer

Nach:

  • Museum der Belgischen Nationalbank, A story of money, 32 ff.
  • Rome, entre l’avenir et le passé” (Die Geschichte des Geldes), in Connect, Staff magazine of the National Bank of Belgium (Magazin der Mitarbeiter der Belgischen Nationalbank), 2, März 2007, 6-7.
  • Royal Mint of Belgium (Königliche belgische Münzprägeanstalt), Monnaie Info, 43, März 2007, 5 ff.