Der karolingische Denar und der Islam  Share

Wir nehmen wir den karolingischen Denar aus Silber genauer unter die Lupe. Da das karolingische Währungssystem monometallisch war, könnte es sich auch kaum um ein anderes Material handeln. Die Wahl fiel jedoch nicht willkürlich auf Silber, sondern vielmehr aufgrund der Umstände.
Um 570 wurde in Mekka Mohammed geboren. Als Prophet des Islam, der jedoch gleichzeitig auch ein politischer und militärischer Führer war, vereinte er schnell die arabische Halbinsel unter dem Banner des Islam (622-631) und gründete den ersten muslimischen Staat. Anschließend begann die über die Halbinsel hinausgehende Eroberung. Zwischen 634 und 642 fielen Syrien, Persien und Ägypten nach und nach unter die Herrschaft des Islam. Mit einer mächtigen Flotte eroberten die Araber um 650 das Mittelmeer und schließlich nacheinander Zypern, Rhodos, Kreta und Sizilien. An Land gab es ebenfalls kein Halten: Karthago fiel und im Jahr 698 wurde Tunis gegründet, Spanien war ab 711 vollständig islamisiert. Der muslimische Vorstoß reichte bis Poitiers, wo die Araber 732 von Karl Martell geschlagen wurden. Letzteres Ereignis stellt den Beginn der langsamen Reconquista (732-1492) dar.

 Map of the world in the days of Charlemagne
Map of the world in the days of Charlemagne

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die islamische Welt das Mittelmeer ab dem Beginn des VIII. Jahrhunderts einkreiste. Das mare nostrum, eine Art „römischer See“, der das Mittelmeer zuvor war, wurde durch die Entwicklungen zu einem „muslimischen See, auf dem, wenn man dem arabischen Chronisten Ibn Khaldoun (1322-1406) Glauben schenken darf, die Christen nicht ein einziges Brett mehr schwimmen lassen können“. Unmittelbare Folgen: Gewürze (insbesondere Pfeffer, Nelken und Zimt), Öl, Seide, Papyrus und Gold, d. h. orientalische Importwaren, wurden knapper. Wie hätte es auch anders sein können? Diese Produkte und Stoffe kamen durch den Handel nach Europa. Zwischen Christen und Muslimen herrschte jedoch ständiger Krieg. Händler hatten also kaum eine Chance, durch die feindlichen Flotten hindurchzukommen. Außerdem ist bekannt, dass die Muslime sich nicht außerhalb der islamischen Welt ansiedelten und zumindest in dieser Zeit nur untereinander Handel betrieben. So wird leicht verständlich, dass es für die Karolinger schwierig war, eine Goldprägung aufrechtzuerhalten.

karolingische Denarkarolingische DenarDer karolingische Denar aus Silber, der im Allgemeinen 1,70 g wiegt, trägt auf der Vorderseite das königliche Monogramm „Karolus“ und darum herum eine Inschrift mit dem Namen der Prägewerkstatt. Das Monogramm besteht aus den Buchstaben K-R-L-S, die in der Mitte durch eine Raute, die für die Vokale A-O-U steht, verbunden sind. Auf der Rückseite finden sich der Name und der Titel des Königs sowie ein Kreuz, da die Karolinger sich nach dem Beispiel von Karl Martell zum Verteidiger des Christentums machten. Das einheitliche Gewicht und das einheitliche Aussehen im ganzen Königreich zeigen, dass es den karolingischen Königen gelungen ist, die vollständige Kontrolle über die Geldprägung zu erlangen. Der Übergang zu dieser typischen Münze erfolgte unter der Herrschaft von Karl dem Großen (768-814) und ist das Ergebnis der großen Währungsreform von 793-794. Karl der Große hat demzufolge nicht nur das Schulsystem reformiert.

Yves Vandersmissen
Museumsführer

Nach:

  • Atlas historique, ss. la dir de Duby G., Paris, 1978, p.35.
  • Grierson P., Monnaies du Moyen-Âge, Fribourg, 1976, p.46-51, 58-59.
  • Pirenne H., Mahomet et Charlemagne, Bruxelles, 1937, p.122.