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Doppelter Dukaton aus Antwerpen mit Albrecht und Isabella (1618)

Unter Philipp II. (1555-1598) gab es in den spanischen Niederlanden weder ein organisiertes noch ein stabiles Währungssystem. Es existierte eine Vielzahl von Münzen, die nicht nur vom König sondern auch von verschiedenen Gemeinden und Regionen ausgegeben wurden. Die Folge waren Inkohärenz, Uneinheitlichkeit und Betrug. Dies sollte sich jedoch bald ändern. Nach dem Tod von Philipp II. kamen in den spanischen Niederlanden seine Tochter Isabella und sein Schwiegersohn Albrecht, Erzherzog von Österreich, an die Regierung (1598-1621).

Albrecht and Isabella
Albrecht und Isabella

Die neuen Souveränen zählten die Währungspolitik sowie die Prägung von Münzen zu ihren wichtigsten Aufgaben, da sie mit der Entwicklung eines neuen Währungssystems die Wirtschaft in den von den Kriegen zerstörten Gebieten ankurbeln wollten. So erwies sich der Beginn des siebzehnten Jahrhunderts als eine Blütezeit für die Münzprägewerkstatt in Antwerpen.

1612 wurde eine neue Münzserie entwickelt, die das damalige Währungssystem radikal veränderte. Sie bildete die Grundlage für das bis ins achtzehnte Jahrhundert in diesem Gebiet bestehende Währungssystem. Der Münzwerkstatt in Antwerpen, die im Gegensatz zu anderen Brabanter Prägewerkstätten stets Münzen von sehr hoher Qualität herstellte, kam nun eine wichtige Rolle beim Prägen dieses Geldes zu.

Die neue Münzserie umfasste sowohl Gold- als auch Silbermünzen. Die „Souverains“ aus Gold sowie die „Patagons“ und „Dukatons“ aus Silber bildeten die Grundlage dieses Systems. Sie gelten als die schönsten und größten bis zu diesem Zeitpunkt in Europa ausgegebenen Münzen. Ihr intrinsischer und künstlerischer Wert war weit über die Grenzen der spanischen Niederlande hinaus in ganz Europa bekannt.

Die Vorderseite dieses Dukatons zeigt die Büste der Erzbischöfe im Profil. Aus der Beschriftung gehen die Namen des Herrscherpaars und das Ausgabedatum der Münze hervor. Vom 1. April 1618 bis 18. November 1620 wurden in der Münzprägewerkstatt in Antwerpen 609.867 Exemplare geprägt. Wie können wir nun sicher sein, dass diese Münze tatsächlich in Antwerpen geprägt wurde? Der Beweis hierfür ist die Hand im Ausgabedatum, die das Symbol für Antwerpen und somit auch für die dortige Prägewerkstatt ist.

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Auf der Rückseite ist das Wappen der Brabanter Herzöge unter einer von zwei Löwen getragenen Krone dargestellt. Darunter befinden sich eine Schafshaut und ein Kollier als Symbole für den Orden vom Goldenen Vlies, dem die Herzöge von Brabant seit 1430 angehörten. Die Beschriftung enthält die Titel von Albrecht und Isabella: Erzherzöge von Österreich, Herzöge von Burgund und von Brabant.

Beim hier ausgestellten Dukaton handelt es sich um einen „Piedfort“ oder doppelten Dukaton. Er wiegt 64,70 g, d. h. das Doppelte des normalen Gewichts dieser Münze. Piedforts wurden als Probe oder Geschenk hergestellt und sind seltener als die normalen Münzen, von denen sie eine Ausführung mit doppeltem Gewicht darstellen.

Inge Vervloesem
Museumsführer

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