Gebäude

Kurz zusammengefasst

Es begann alles sehr bescheiden im Jahre 1850. Für ihren Geschäftssitz in Brüssel mietete die frisch gegründete Nationalbank zunächst ein Herrenhaus am Warmoesberg. Später kaufte sie ein Gebäude an der Ecke Abrikozenstraat und Nieuwe Koningsstraat. Daneben eröffnete die Bank 1851 24 Filialen in ganz Belgien.

Beyaert

Beyaert

Der Geschäftssitz wurde schon schnell viel zu eng. Zur Lösung des Problems nutzte die Bank die Neugestaltung des Vorplatzes der Kathedrale St. Michael, um Immobilien in der Wildewoudstraat und in der ehemaligen Berlaimontstraat zu kaufen. Es wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Den Auftrag für das neue Bankgebäude mit der dazugehörigen Gouverneurswohnung (Hotel) erhielten Hendrik Beyaert (1823 – 1894) und Wynand Janssens (1827 – 1913).

Die Bauarbeiten begannen 1860. Es dauerte jedoch bis 1865, bevor die ersten Abteilungen in die neuen Räumlichkeiten umziehen konnten. Die Ausstattung des Gebäudes nahm noch mehr Zeit in Anspruch und erst 1874 war alles fertig. Das Ergebnis war eine Mischung aus stattlichem Klassizismus mit vielen symbolischen und allegorischen dekorativen Elementen in der Gouverneurswohnung einerseits und manchmal sehr modern anmutende Baustoffe wie Glas und Stahl in den für die Öffentlichkeit bestimmten Räumen und den Bankräumen andererseits.

Da sowohl die Geschäftstätigkeiten als auch die Mitarbeiterzahlen der Bank ständig zunahmen, wurde der Architekt Beyaert 1871 erneut in Anspruch genommen, um den Geschäftssitz ein erstes Mal zu vergrößern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielt das Beyaert-Gebäude noch einen neuen Flügel, aber die Bank kämpfte weiterhin mit Platzmangel.

Schaltersaal

Schaltersaal

Daher schmiedete Gouverneur Georges Janssen (1938 – 1941) ab seiner Ernennung neue Immobilienpläne. Als die Nord-Süd-Verbindung angelegt wurde, war dies der perfekte Anlass.

Unter Leitung von Architekt Marcel Van Goethem (1900 – 1959) kamen in den Fünfziger Jahren neue modernistische Büros mit einem eindrucksvollen Schaltersaal und einer neuen Druckerei hinzu.

Im Jahr 2010 weihte die Nationalbank das Gebäude der ehemaligen Union du crédit de Bruxelles ein; ein außergewöhnliches Exemplar der Bankarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Es wurde 1872 vom Brüsseler Architekten Désiré De Keyser in einem Geschäftsviertel unweit der zentralen Boulevards errichtet. Es wurde 1969 von der United California Bank erworben und gelangte in den Achtzigerjahren in den Besitz der Nationalbank, die seine Fassade restaurierte. Die Innenräume wurden jedoch erst nach Ende der umfangreichen Außenarbeiten einer minutiösen Restaurierung unterworfen.

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Auf die Ausstattung dieses ehemaligen Bankgebäudes wurde besonders großen Wert gelegt

Das Gebäude der Union du crédit de Bruxelles, heute Bibliothek der Nationalbank

Das Gebäude der Union du crédit de Bruxelles

Das zentrale Glasdach wird in 18m Höhe von einem Tonnengewölbe aus Stahl getragen. Die Treppe, die zur Galerie im ersten Stock führt, wird von gewaltigen Lüstern beleuchtet. Sie wurden seinerzeit von der Compagnie des bronzes gegossen und bei der Restaurierung naturgetreu nachgebaut. Eine elegante Eisengalerie überragt den ehemaligen Kassensaal, der in das Licht eines zweiten Glasdachs getaucht ist. Neben den metallischen Elementen besteht die Ausstattung vornehmlich aus gotisch beeinflussten Stuckarbeiten.

Auf der hinteren Wand wird auf einem riesigen, bei dem jungen Künstler Pieter Vermeersch in Auftrag gegebenen Wandteppich das Thema Abbild und Erinnerung behandelt.

 

Weitere Informationen

In der Museumsbibliothek einzusehen

(nur nach Absprache: +32 2 221 22 06)

  • De eclecticistische bouwkunst van Hendrik Beyaert, Ausstellungskatalog, Brüssel, BNB Museum, 1978
  • J. VICTOIR, J. VANDERPERREN, Hendrik Beyaert. Van Classicisme tot Art Nouveau, Sint-Martens-Latem, Verlagshaus De Dijle, 1992
  • W. PLUYM (Hg.), Het Hotel van de gouverneur van de Nationale Bank van België, Antwerpen, Pandora, 1995
  • NBB Antwerpen. Een gebouw, een eeuw, Ausstellungskatalog, Brüssel, BNB Museum, 1979
  • M. VAN GOETHEM, Construction des nouveaux bâtiments de la Banque Nationale de Belgique à Bruxelles, in: Annales de l’Institut technique du Bâtiment et des Travaux publics, Nr. 184, März-April 1951, Seiten 2 – 18
  • M. VAN GOETHEM, Immeuble de la Banque Nationale à Bruxelles, in: Rythme, Nr. 15, Juni 1953, Seiten 6 – 13
  • L. NOVGORODSKY, Les nouveaux bâtiments de la Banque Nationale de Belgique à Bruxelles, in: La technique des travaux, 29, 1953, Nr. 7-8, Seiten 215 – 236
  • Marcel Van Goethem, architecte D.P.L.G. Oeuvres et études, 1940 – 1959, Brüssel, BNB, 1959
  • M. DE BEULE, C. DESSOUROUX (Hg.), Brussel, haar kantoren en bedienden. Überblick über den Bürobestand, Sonderausgabe, Brüssel, Ministerium der Region Brüssel-Hauptstadt und La Fonderie, 2009
  • E. VANDEWEGHE, Municipal imagery and regionalist architecture in the aftermath of the First World War. Branches of the National Bank of Belgium in Flanders, in: L. MEGANCK, L. VAN SANTVOORT, J. DE MAEYER (eds.), Regionalism and Modernity. Architecture in Western Europe 1914-1940, Leuven, Leuven University Press, 2013, pp. 110-133

Geschichte einer Restaurierung