Ketteneuros

Im statistischen System der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen werden verschiedene wirtschaftliche Aggregate berechnet (wie z.B. das BIP, die Investitionen, der Verbrauch der Haushalte), deren Wertentwicklung in einen Faktor, der die zugrunde liegenden Preisveränderungen wiedergibt, und einen Faktor, der die Volumenveränderungen wiedergibt, unterteilt werden können. Mittels dieser Unterteilung erhält man ein Bild von der bereinigten Entwicklung dieser Aggregate vor Preisänderungen.

Um den Volumenzuwachs des BIP und seiner Komponenten zu messen, muss man, um aus der Wertentwicklung den Effekt der Preisveränderungen zu eliminieren, die Preise sozusagen “konstant” halten. Bis zur Einführung der Ketteneuros im Jahre 2006 wurde dies anhand eines “festen Basisjahres” getan, dessen Preisangaben verwendet wurden, um auf einer so detaillierten Ebene wie möglich Volumenberechnungen anzustellen. Da die relativen Preise des Basisjahres im Laufe der Zeit an Stichhaltigkeit verlieren, nimmt die potenzielle Verzerrung des Zuwachses eines Aggregats für ein gegebenes Jahr zu, umso weiter dieses Jahr vom Basisjahr entfernt ist. Darum wurde früher in den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nach fünf Jahren ein jüngeres Basisjahr gewählt. Erfahrungen in verschiedenen Ländern haben auch gezeigt, dass der Mechanismus einer alle fünf Jahre erfolgenden Aktualisierung des Basisjahres bei schnell steigenden relativen Preisen unzureichend ist, um das jüngere wirtschaftliche Wachstum zu messen. Darum wurde in der Europäischen Union beschlossen, auf eine jährliche Aktualisierung des Basisjahres umzustellen. Die jährliche Aktualisierung der Preisstruktur, die für die Berechnung der Aggregate in Volumen verwendet wird, läuft auf eine Messung des Wachstums in “Kettenvolumenmaßstäben” hinaus.

Bei der Anwendung von Kettenindizes wird der Volumenzuwachs zwischen zwei aufeinander folgenden Zeiträumen, t und t+1, unter Verwendung der Preise des Jahres t berechnet. So wird z.B. der Volumenzuwachs der Investitionen in Volumen zwischen den Jahren 1 und 2 berechnet, indem man die Investitionen von Jahr 2, ausgedrückt in Preisen von Jahr 1, mit den Investitionen in Jahr 1 vergleicht. Der Zuwachs zwischen den Jahren 2 und 3 wird berechnet, indem die Investitionen in Jahr 3, ausgedrückt in Preisen von Jahr 2, mit den Investitionen in Jahr 2 verglichen werden, usw.  Die Änderungen zwischen aufeinander folgenden Zeiträumen werden aneinander geknüpft (kumuliert), um einen Kettenindex zu erhalten. Wenn man den Kettenindex schließlich auf die Werte eines Aggregats eines bestimmten “Referenzjahres” anwendet, erhält man eine Volumenreihe in “Ketteneuros”. In der Regel wird das Referenzjahr jährlich geändert, aber manche Länder tun dies nur alle fünf Jahre. Die Wahl des Referenzjahres hat keinen Einfluss auf das Wachstumsmodell der Reihe.

Die Einführung von Kettenindizes verbessert die Genauigkeit der Messung des Wirtschaftswachstums und führt zu einer besseren internationalen Vergleichbarkeit.  Eine genaue Volumenmessung in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist wichtig, um das BIP und seine Komponenten zu kennen, als Input für unterschiedliche wirtschaftliche Studien, die die Struktur und die Entwicklung der realen Wirtschaft untersuchen, und als Input für Produktivitätsmessungen.