Adieu Litas, willkommen Euro!  Share

Am 1. Januar 2015 wird der Euro seit genau 13 Jahren unsere offizielle Währung sein; für Litauen hingegen wird dieses Datum der erste Tag sein. Denn zu diesem Jahresbeginn wird das letzte baltische Land als 19. Mitgliedstaat in die Euro-Zone eintreten.

Infolge des EU-Beitrittsvertrags 2003 von Athen trat Litauen zusammen mit 9 anderen Staaten der Europäischen Union bei, zu denen unter anderem die im Jahre 2011 bzw. 2014 dem Eurosystem beigetretenen baltischen Nachbarstaaten Estland und Lettland gehören. Die litauische Währung, der Litas, ist seit 2004 an den Euro gebunden: 1 EUR = 3,4528 LTL.

Von 1795 bis 1918 befand sich Litauen unter russischer Herrschaft. In diesem Zeitraum entwickelte sich allmählich die russische Opposition. Während des Ersten Weltkriegs wurde im Jahre 1915 die Republik Litauen gegründet. Obwohl das Land von deutschen Truppen besetzt war, erklärte der Rat Litauens am 16. Februar 1918 die Unabhängigkeit des Landes, das am 2. November 1918 wieder die Staatsform einer Republik annahm. Hieraufhin folgten drei litauische Unabhängigkeitskriege. Der erste fand von Dezember 1918 bis August 1919 gegen die bolschewistische Armee statt; der zweite wurde von August bis Dezember 1919 gegen die westliche Freiwilligenarmee geführt, bei der es sich um eine während der russischen Revolution aktive, kontrarevolutionäre und pro-zaristische Armee handelte. Der letzte Krieg begann im August 1920 gegen Polen. Die polnischen Absichten bezüglich Vilnius waren zu dieser Zeit in der Tat ein offenes Geheimnis. Zudem waren nahezu 30% der Bevölkerung der Hauptstadt polnischer Herkunft. Nach einer kurzen Belagerung wurde die Republik Zentral-Litauen ausgerufen und anschließend, im März 1922, von Polen annektiert. Vilnius sollte darauf hin bis 1939 unter polnischer Herrschaft stehen, wobei Kaunus während dieser Zeit Hauptstadt wurde. Unter Antanas Smetona, der 1926 zunächst Präsident war und dann von 1929 bis 1940 als Diktator herrschte, wurde Litauen zu einer Diktatur.

5 litai, 2000

5 litai, 2000

Im Anschluss an ein Ultimatum der Deutschen gab Litauen im Jahr 1939 die Region Klaipeda ab und erhielt im Gegenzug die Region Vilnius. Während des Krieges nahm der Druck durch die Sowjets ständig zu, so dass Smetona schließlich das Land verließ, Litauen zu einer sozialistischen Republik wurde und ein pro-sowjetisches Parlament gebildet wurde. Der Litas wird im Frühjahr 1941 von der UDSSR als Währung aus dem Verkehr gezogen. Im Juni desselben Jahres, nach der Deportation von 35.000 Litauern nach Sibirien und dem Massaker von Rainiai, wurden die deutschen Nationalsozialisten in Litauen wie heldenhafte Befreier begrüßt. Die Situation änderte sich jedoch ziemlich rasch, da Litauen mit einer Rate von 95 bis 97% zu einem der am meisten vom Holocaust betroffenen Länder wurde. Die litauische Bevölkerung wurde im Laufe des Zweiten Weltkrieges um rund ein Drittel dezimiert. Zum Ende des Krieges sah sich Litauen erneut unter russische Herrschaft gestellt. Im Jahre 1989 unterstützte Algirdas Brazauskas, neuer Generalsekretär der Kommunistischen Partei, die demokratische Bewegung namens Sąjūdis für die Unabhängigkeit, die am 11. März 1990 erklärt wurde. Litauen wurde somit das erste unabhängige Land der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Diese Unabhängigkeit wurde seitens der UDSSR im darauffolgenden Jahr anerkannt.

Am 22. Oktober 1922 wurde der Litas erstmalig eingeführt. Ein Litas war in 100 Centų unterteilt und seitens der am 27. September 1922 gegründeten Litauischen Bank durch 0,150462 Gramm Gold gedeckt. Im Jahre 1941 durch den Rubel ersetzt, wurde der Litas am 25. Juni 1993 als offizielle Währung des Landes wieder eingeführt. Was die Gestaltung betrifft, so wurde seit 1922 das Wappen Litauens für die Rückseite der Münzen ausgewählt.

Coats of Arms by the artist Arvydas Každailis

Wappenschild Litauens, Arvydas Každailis

Die erste Verwendung dieses Wappens führt zurück ins Jahr 1366, in dem es als Emblem des Großherzogs Litauens Algirdas von 1330 bis 1377 verwendet wurde. Das Großherzogtum Litauen umfasste damals Weißrussland, die Ukraine, Transnistrien und im 15. Jahrhundert sogar einige polnische und russische Gebiete. Bereits im 14. Jahrhundert wurden die Münzen mit diesem Symbol auf der einen Seite und den Säulen der Dynastie der Gediminiden auf der anderen in Umlauf gebracht. Diese Säulen wurden zudem zeitweise auf dem Schutzschild des Ritters dargestellt.

Zunächst namenlos, trägt dieses Wappen seit dem 15. Jahrhundert die Bezeichnung Pahonia. Das auf dem Schild abgebildete Doppelkreuz wurde von Jogaila übernommen. Dieser Heide heiratete 1386 die polnische Katholikin Hedwig I. Nach seiner Konvertierung nahm er den Namen Ladislaus II. Jagiello an – zu Ehren des Heiligen Ladislaus, König von Ungarn im 11. Jahrhundert, dessen Wappen sich aus dem patriarchalischen Kreuz ableitet.
Die Darstellung von Rittern erfreute sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit, denn diese wurden als Verteidiger gegen Eindringlinge angesehen – in diesem Fall gegen Russland. Der Entwurf des Künstlers Juozas Zikaras wurde für die Verwendung auf den Litai-Münzen gewählt. Während der sowjetischen Besatzung war der Ritter Vytis verboten und entwickelte sich deshalb zum Symbol der Unabhängigkeit. Die neue Gestaltung wurde 1991 genehmigt und von Arvydas Každailis umgesetzt. Die Wappen zeigen den in weiß gekleideten Ritter Vytis auf rotem Hintergrund, der in der einen Hand ein Schwert und in der anderen einen mit einem gelben Doppelkreuz verzierten blauen Schild hält.

500 litų, Vincas Kudirka

500 litų, Vincas Kudirka

Wie teilweise im Fall der Banknoten des belgische Franken wurden auch in Litauen gerne geschichtsträchtige Personen wie Schriftsteller, Historiker, Staatsmänner oder andere Helden abgebildet. Auf jedem Geldschein ist das Wappen in Miniaturform erkennbar. Nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit wurden 1 Litas, 2 Litai und 5 Litai als Banknoten ausgegeben, seit 1993-1994 wurden sie allerdings durch Münzen ersetzt. Die 10-Litų-Banknote ist jene mit dem geringsten Wert; die 500-Litų-Banknote ist jene mit dem höchsten Wert und entspricht ungefähr 144.81 €. Die Wahl der auf dieser Banknote dargestellten Person ist sehr interessant: Es ist der Dichter Vincas Kudirka, der die litauische Nationalhymne verfasste. Es handelt sich hierbei um ein sehr bedeutendes Symbol, das die Unabhängigkeit von der UDSSR unterstreichen soll.

1 & 2 euromunten Litouwen

1 & 2 Euro-Münzen Litouwen

Die Litai-Münzen wurden in der litauischen Münzstätte namens Lietuvos monetų kalykla geprägt. Diese einst als Münzstätte Vilnius bezeichnete Prägeanstalt geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Was den litauischen Euro betrifft, so überrascht es nicht, dass die von Litauen gewählte nationale Seite der Banknoten dem geschichtlichen Erbe des Landes treu bleibt. Die Gestaltung aller litauischen Euro-Münzen wurde von dem Bildhauer Antanas Žukauskas übernommen. Die veränderte Gestaltung dürfte bei den Litauern nicht besonderes Aufsehen erregt haben, denn zwischen dem Euro und dem Litas gibt es nur wenige stilistische Unterschiede – und die neuen Euro-Münzen werden in der Münzstätte Vilnius geprägt.

Baptiste Cuvelier
Museumsführer

Quellen: