Bei der Ausstellung Europalia Brasil wird eine Sammlung von Goldmünzen gezeigt, auf denen die großen Perioden der Kolonialgeschichte Brasiliens zu sehen sind. Eine gute Gelegenheit, um auf diese Münzen näher einzugehen, wie dies zuvor mit denen von Peter II geschah. In diesem Monat richtet sich unser Hauptaugenmerk auf die drei unter der Herrschaft von Maria I. von Portugal (1777-1816) geprägten Münzen; in dieser Zeit wurde Brasilien nämlich zum Hauptsitz des Königreichs Portugal, was für ein Kolonialgebiet außergewöhnlich war.
Auf der ersten dieser Münzen, die im Jahr 1778 geprägt wurde, ist die Tochter von Joseph I, Maria, an der Seite ihres Onkels und Gatten Peter zu sehen. Ihre Hochzeit fand 1760 statt, als Maria 26 und Pedro 43 Jahre alt war. Sie bestiegen 1777 den Thron, und obschon die Urkunden von ihnen beiden unterschrieben wurden, galt Maria als eigentliche Regentin des Landes. Peter begnügte sich mit dem Titel des Königsgemahls unter dem Namen Peter III.
Die zweite Münze datiert aus dem Jahr 1787 und zeigt Königin Maria, die alleine mit dem Witwenschleier auf dem Kopf dargestellt ist. In der Tat verstarb ihr Mann Pedro III. im Jahr 1786. Zwei Jahre später starben auch zwei ihrer Kinder, darunter Erbprinz Joseph, der den Pocken erlag. Maria, deren strenge Gläubigkeit bisweilen an Aberglauben grenzte, hatte sich nämlich geweigert, ihn gegen diese Krankheit impfen zu lassen. Ihr Beichtvater und ihr Erster Minister verstarben ebenfalls in dieser Zeit.
Die letzte Münze, die 1789 geprägt wurde, zeigt Maria mit einer kunstvollen, mit Perlen verzierten Haube, und wie bei der vorigen Münze waren auf dem Münzrand die Titel der Regentin zu lesen: „Maria I., durch die Gnade Gottes Königin von Portugal und der Algarven“. Neben dem Prägedatum befindet sich der Buchstabe „R“, der belegt, dass die Münze in der Münzstätte Rio de Janeiro hergestellt wurde. Diese letzte Münze weist auf die dritte Phase der Regentschaft hin, in der die Königin dem Wahnsinn verfiel. Die aufeinanderfolgenden Todesfälle in ihrem Umfeld setzten ihrem ohnehin gebrechlichen Wesen sehr stark zu, und die Unruhen der französischen Revolution, bei denen ihre Cousine Marie-Antoinette auf der Guillotine starb, verschlimmerten ihren Zustand zusehends. Sie litt unter Schlaflosigkeit, Angstzuständen und Halluzinationen und war nicht mehr in der Lage zu regieren, und so übernahm ihr Sohn Johann ab 1792 die Herrschaft über das Königreich. So kommt es, dass in Portugal ihre große Frömmigkeit durch den Beinamen „Maria die Fromme“ betont wurde, während sie in Brasilien besser unter dem Namen „Maria die Wahnsinnige“ bekannt war.
Aber es kam noch schlimmer für die Kaiserin: Ab Anfang des 19. Jahrhunderts befindet sich Portugal in der Zwickmühle, da es nicht weiß, ob es für Frankreich oder für Großbritannien Partei ergreifen soll; diese beiden Mächte bestimmen damals das politische Geschehen in Europa. Eine wahrhaft schwierige Entscheidung, denn einerseits erringt Napoleon einen militärischen Sieg nach dem anderen, sodass ihn viele lieber als Verbündeten denn als Feind sehen würden, und andererseits ist Großbritannien seit langem der bevorzugte Handelspartner und hätte ein Bruch mit diesem Land wahrscheinlich zu einer schweren Wirtschaftskrise geführt. Im Jahr 1806 verhängte Napoleon eine Kontinentalsperre, um Großbritannien zu isolieren; jede Nation, die mit diesem Land Handel betreibt, wird als Frankreichs Feind betrachtet und folglich von der französischen Armee angegriffen. Dieser Fall tritt erstmalig 1807 ein, und der französische Marschall Junot steht vor den Toren Lissabons. Die königliche Familie muss also fliehen, und Brasilien bietet sich geradezu als Zufluchtsland an. Der Hofstaat macht sich am 29. September 1807 auf den Weg und landet am 7. März 1808 in Rio de Janeiro, das somit tatsächlich die neue Hauptstadt des portugiesischen Königreichs wird.
Die Ankunft des Hofstaats auf brasilianischem Boden sollte dem Land in vielerlei Hinsicht zum Vorteil gereichen. So werden prächtige Gebäude für die Königsfamilie errichtet, für die einige Geschäftsleute sehr gewinnträchtige Aufträge erhalten. Außerdem ergreift Regent Johann Maßnahmen, um den Handel Brasiliens auf eigene Beine zu stellen. Bis zu diesem Zeitpunkt liefen nämlich sämtliche Warenlieferungen aus oder nach Brasilien automatisch über Portugal. Da das Land jedoch von den napoleonischen Truppen besetzt war (die 1811 vertrieben werden), ist diese exklusive Verbindung unterbrochen und werden die brasilianischen Häfen für die Handelspartner geöffnet. Schon bald werden weitere Beschlüsse gefasst: die Verlegung der höchsten Gerichtsbarkeiten des Königreichs und der königlichen Bibliothek, die Gründung der königlichen Druckerei (die der Presse zum Aufschwung verhalf) und zahlreicher Akademien (Medizin, Naturwissenschaften, Kunst usw.). Gegen 1810 fördert Johann durch die Einrichtung kleiner katholischer Bauerkolonien auch die Kolonialisierung, um die Bewirtschaftung des brasilianischen Bodens voranzutreiben. Dies wirkt sich negativ auf die dort lebenden Indios aus, von denen die meisten niedergemetzelt werden.

Im Jahr 1815 wird auf dem Wiener Kongress über das Schicksal Napoleons nach dessen Niederlage bei der Schlacht von Waterloo entschieden. Um mehr Gewicht in die politische Waagschale Europas legen zu können, beschließt Johann, sein Königreich in Vereinigtes Königreich von Portugal, Brasilien und den Algarven umzubenennen. Königin Maria starb 1816 im Alter von 82 Jahren, und Regent Johann wurde unter dem Namen Johann VI. zum König gekrönt. Durch die Übersiedlung des portugiesischen Hofes nach Brasilien gewann das Land immer mehr an Bedeutung und konnte sich nach und nach emanzipieren; daraus entwickelte sich ein gewisser Nationalstolz, der später zur politischen Trennung zwischen Brasilien und Portugal führte und 1822 in der Unabhängigkeit Brasiliens gipfelte. Die Herrschaft von Maria I. und die Regentschaft ihres Sohnes Johann waren also für die Geschichte Brasiliens als unabhängige Nation von entscheidender Bedeutung.
Charlotte VANTIEGHEM
Museumsführerin
Bibliografie
- David BIRMINGHAM, A concise History of Portugal, 2003, S.103.
- Armelle ENDERS, Nouvelle histoire du Brésil, 2008, S.97-103.
- Mathilde LEDUC-GRIMALDI, “Sous le signe de l’or brésilien: une quête de 500 ans…” in D’or et de plumes, systèmes d’échange et de valeur au Brésil, Ausstellungskatalog, 2011, S.66-77 und 131-132.
- Jean-Claude LORBLANCHÈS, Les soldats de Napoléon en Espagne et au Portugal, 1807-1814, 2007, S.22-376.












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