Das chinesische Metallgeld und das Cash  Share

Verbreitung von Münzgeld in China im 1. Jahrtausend v. Chr.

Wer sich mit der chinesischen Währungsgeschichte befasst, muss sich von den Vorstellungen lösen, die lange Zeit für unsere Währung typisch waren. Das Entstehen des Metallgelds geht nämlich auf zwei völlig unterschiedliche Traditionen zurück. Die erste, die in der westlichen Welt übernommen wurde, entstand ungefähr im 2. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien und zeichnet sich durch die Verwendung von Edelmetallen als Zahlungsmittel aus. Das Gewicht und die Reinheit des Metalls bestimmen den sogenannten inneren Wert der Münzen. In China hingegen hat das Münzgeld von Anfang an einen stark treuhänderischen Charakter. Sein Wert wird durch das Vertrauensverhältnis zwischen den Wirtschaftsakteuren und dem Emittenten garantiert, aber vor allem durch die quantitative Kontrolle des Bargelds. Das chinesische Metallgeld diente im Allgemeinen also nur dazu, den Warenhandel zu erleichtern. Die Handelswährungen mit hohem inneren Wert (Gold, Jade, Silber, Schildpatt usw.) wurden als Wertreserve gehalten. Ihre Inumlaufsetzung hätte zu einer Hortung geführt, wodurch ihre Funktion eingeschränkt worden wäre.

Ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. breitete sich in den meisten Gebieten des heutigen Chinas die Verwendung von Kaurimuscheln aus. Diese natürlichen Muscheln warfen jedoch das Problem der quantitativen Kontrolle auf, und durch die Ausweitung der Handelsgeschäfte waren die Völker schon damals gezwungen, Muscheln aus Ersatzmaterialien (Bronze, Kupfer, Stein, Knochen usw.) herzustellen. Es ist eine entscheidende Phase der chinesischen Wirtschaft, da sie den Übergang von einer natürlichen Währung auf eine künstlich hergestellte und somit kontrollierte Währung markiert.

Bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. gab es in China ein Feudalsystem mit verschiedenen Königreichen, die regelmäßig Kriege gegeneinander führten. Diese politische Zersplitterung brachte im Großen und Ganzen drei verschiedene Arten von Metallgeld hervor. Da das Münzregal dem einzelnen Landesherrn und nicht dem König vorbehalten war, nahmen diese Geldarten alle sehr unterschiedliche typologische Entwicklungen. In ländlichen Gebieten wurden Werkzeuge wie Spaten oder Messer verwendet, die nach und nach ihre ursprüngliche Funktion verloren und in verkleinerter Form als Zahlungsmittel dienten (vermutlich ab dem 8. Jahrhundert v. Chr.). In anderen Regionen wurden runde Münzen mit einem Loch in der Mitte verwendet. Die ältesten Exemplare dieser Münzen scheinen aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. zu datieren, auch wenn ihre Geldfunktion noch nicht offiziell belegt ist.

Gegossene Cash-Münzen

Tatsächlich wurden diese ersten runden Münzen mit dem Loch in der Mitte, die sogenannten Banliang, offiziell unter der Herrschaft von Fürst Xiao (361-338) vom Königreich Qin ausgegeben. Ihr Name bezeichnete ursprünglich das Gewicht der Münze, wobei 1/2 (ban) liang 8g entsprach. Nach und nach stellte sich jedoch heraus, dass der Ausdruck Banliang nicht mehr eine Gewichtseinheit, sondern das Münzgeld einer Region bezeichnete. Es kam zu Gewichtsunterschieden zwischen den Münzen, die aber ihren Nennwert beibehielten. Im Zeitalter des Feudalismus wurde dieses Geld in verschiedenen Königreichen verwendet. Dabei galten dieselben Regeln wie bei den Qin, aber es gibt Unterschiede bei der Inschrift der Münzen, der Sorgfalt ihrer Herstellung und sogar bei bestimmten typologischen Einzelheiten. Es ist darauf hinzuweisen, dass der im Allgemeinen treuhänderische Charakters der chinesischen Währung dazu führte, dass lange Zeit eine Vielzahl metallischer wie auch nicht metallischer Bargeldarten (Bambusgeld, Banknoten, Stoff usw.) parallel verwendet wurden.

In einigen alten Schriften heißt es, dass versiegelte Tonkrüge mit tausend Münzen, sogenannte pen, als offizielle Rechnungseinheit dienten. Archäologen haben einige dieser Krüge unversehrt gefunden; sie enthielten tatsächlich 1000 Münzen, die jedoch von verschiedenen Emittenten stammten und deren Gewicht variierte (bisweilen zwischen 2 und 12g). Man sieht also, dass in der Praxis – und zu allen Zeiten – die gleichzeitige Verwendung neuer und alter, schwerer und leichter, abgenutzter und prägefrischer Münzen geduldet wurde, solange deren Erscheinungsform der Tradition entsprach. Häufig findet man in den pen neben gültigen auch gefälschte Münzen, Spielmarken, ja sogar Amulette. Auch die Zusammensetzung dieser Münzen kann beliebig variieren, obgleich sie fast immer in Formen gegossen wurden. Während hierzu im 1. Jahrtausend v. Chr. ausgiebig Kupfer verwendet wurde, führte dessen Verknappung ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. sowie die mangelnde Gusskontrolle zur Verwendung von Eisen, Blei, Bronze usw., ohne dass dies einen Einfluss auf den Nennwert gehabt hätte.

Die erste große Vereinigung Chinas fand 221 v. Chr. durch den Kaiser von Qin Shi Huang statt. Obschon es sich um eine kurze Regierungszeit handelt (221-206), stellt sie eine wichtige Etappe bei der Verbreitung der runden Münzen mit dem viereckigen Loch dar, die ihr Aussehen praktisch bis zur Gründung der Republik China im Jahr 1912 nicht verändern. Abweichungen werden lediglich an ihrer Zusammensetzung, ihren Inschriften und ihrem Gewicht vorgenommen. Sie werden mit der Vereinigung der T’ang (618-907) vereinheitlicht, wodurch sich recht leicht eine relativ genaue Zeitangabe machen lässt. Die Chinesen bezeichneten ihre Münzen mit dem Wort ch’ien, doch die ersten Europäer nannten sie Cash, ein heutzutage immer noch weit verbreiteter Begriff, der auf die Bezeichnung Caixa zurückgeht, die ihnen die Bewohner von Malacca gaben, als sie ab 1511 ins Land kamen.

Als sich die Chinesen im 19. Jahrhundert dem Westen öffneten, mussten sie mangels einer Währung mit innerem Wert ausländische Devisen (Dollar, mexikanischer Piaster usw.) hinnehmen. Die wirtschaftliche Dominanz des Westens zwang die Chinesen immer mehr dazu, sich für den Silberstandard und gegen die treuhänderische Währung zu entscheiden. Paradoxerweise entdeckte der Westen zur gleichen Zeit deren Vorteile. Er gab also nach und nach sein veraltetes System, das er gerade erst China aufoktroiert hatte, zugunsten des seit über 4000 Jahren in China herrschenden Prinzips auf.

Jean-Christophe Caestecker, Museumsführer

Bibliografie

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