Die Katanga-Kreuze  Share

Katanga-Kreuze

Katanga-Kreuze

Kürzlich beging die Demokratische Republik Kongo ihren Unabhängigkeitstag. Aus diesem Anlass beschäftigen wir uns mit einem besonderen Gegenstand aus einer der südlichen Provinzen der Demokratischen Republik Kongo, dem sogenannten Katanga-Kreuz.

Von jeher genoss die Provinz Katanga aufgrund ihrer vielen Bodenschätze einen besonderen Ruf; sie war insbesondere für ihre Kupferminen bekannt, die schon seit langer Zeit ausgebeutet werden. Bereits im 16. Jahrhundert wurde das Kupfer bis zur Küste Angolas und von dort aus nach Europa exportiert. Früher waren die Gewinnung und das Gießen des Kupfers einer geheimnisvollen Gilde, den sogenannten „Kupferessern“, vorbehalten, die einer Art Geheimbund, einer „bwanga“, angehörten. Sie allein konnten das Kupfererz fördern und verarbeiten. Die Herstellung des Metalls war mit Ritualen, Berufsgeheimnissen, Tradition und Magie verbunden. Der Beruf des Kupfergießers verlieh gewissermaßen Prestige und Heiligkeit. Man musste in der Gilde aufgenommen und dann eingeweiht werden, bevor man das Kupfer bearbeiten konnte.

Source: Réseau Documentaire International sur la Région des Grands Lacs africains, http://www.grandslacs.net/

Source: Réseau Documentaire International sur la Région des Grands Lacs africains, http://www.grandslacs.net/

Die Gewinnung des Kupfererzes erfolgte während der Trockenzeit gegen Mitte Mai. Die für die Gruppe verantwortlichen Ältesten kündigten den Beginn dieses Vorgangs mit den Worten „Lasst uns Kupfer essen gehen“ an. Sie waren es auch, die die Herstellung und Verteilung der Kreuzmünzen kontrollierten. Die Frauen und die Kinder bauten das Malachit (natürliches wasserfreies Kupfercarbonat in Form von welligen Verkrustungen grüner Farbe) direkt am Boden ab, während die Männer mit der Hacke bis zu 35 Meter tiefe Brunnen gruben, um das kostbare Erz abzubauen. Das Ganze dauerte drei Monate. Das Erz wurde anschließend gebrannt und dann in temporären oder permanenten Hochöfen reduziert; diese Öfen werden aus der Tonerde gebaut, die in den in Kantanga sehr zahlreich vorhandenen Termitenhügeln enthalten ist. Die Hochöfen wurden mit Holzkohle oder kleinen Holzscheiten beschickt und mit Blasebälgen aus Antilopenhaut belüftet. Das Raffinieren und Gießen des Kupfers wurden in einem anderen Ofen durchgeführt. Das geschmolzene Metall wurde über eine Rinne in eine Form geleitet, die mit dem Finger in den Sand gedrückt wurde, um die Kupferbarren herzustellen. Diese hatten die Form eines Andreas-Kreuzes und wurden ganz einfach „Kreuze“ genannt. Der Kupferabbau durch die „Kupferesser“ wurde bis 1903 betrieben. Danach wurde er von der Union Minière du Haut Katanga übernommen, aus der später die Gécamines (Générale des Carrières et des Mines) entstand. Es gibt heute jedoch immer noch einige traditionelle Kupfergewinner.

Katanga Cross

Katanga-Kreuz

Die Kreuze haben in dieser Form in vielen zentralafrikanischen Gesellschaften über Jahrhunderte hinweg als Zahlungs- und Tauschmittel gedient. Sie waren fast so wertvoll wie Elfenbein. Doch die Kreuze hatten immer mehrere Funktionen, mehrere symbolische Bedeutungen. Neben ihrer Verwendung als Zahlungsmittel dienten die Kupferbarren als Rohstoffreserve aber auch als Insignien der Würde und der Macht. Je nach Gebiet, Königreich oder Chefferie ihrer Herstellung waren auch Form und Gestaltung der Kreuze verschieden. So lässt sich anhand dieser Unterschiede feststellen, bis wohin der Einflussbereich der einzelnen Königreiche ging. Die ersten Kupferkreuze tauchten im 13. Jahrhundert in Gräbern im Süden des heutigen Katanga auf, zur gleichen Zeit wie die Kaurimuscheln und die Glasperlen, die ebenfalls als Zahlungsmittel verwendet wurden. Ein großes Kupferkreuz lag nämlich auf dem Leichnam. Ab dem 14. Jahr¬hundert sind die Kreuze in den Gräbern nur noch einige Zentimeter groß, und im 18. Jahrhundert verschwinden sie ganz. Sie werden durch Glasperlen und Kaurimuscheln ersetzt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Kupferkreuze zur Zahlung des Tributs verwendet, den die Regionen, in denen Kupfer hergestellt wurde, an das Kaiserreich Lunda zahlen mussten, das sich über ein riesiges Gebiet – das heutige Katanga, das nördliche Sambia und den Osten Angolas – erstreckte.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Kupferkreuze mehr und mehr bei den täglichen Handelsgeschäften verwendet. Sie dienten auch zur Zahlung von Eheabfindungen. Die Hochzeit einer Frau bedeutete nämlich für die Familie der Braut einen Arbeitskraftverlust, für den Kupferkreuze als Abfindung gezahlt wurden. Eine Frau war ein großes Kreuz wert, aber man konnte ein kleines Kreuz hinzufügen, wenn sie über bemerkenswerte Qualitäten verfügte! Im 20. Jahrhundert werden die Kreuze als Heilmittel und als Insignien der Würde verwendet. Kurz nach der Unabhängigkeitserklärung der Demokratischen Republik Kongo am 30. Juni 1960 – man nannte sie damals Republik Kongo – strebte auch die Provinz Katanga nach Autonomie. So trennte sich die Provinz nach einem Staatsstreich vom Rest des Landes. Während der kurzen Phase der Unabhängigkeit Katangas (1960-1963) waren die Kreuze das offizielle Emblem des Landes. Die Nationalbank von Katanga gab auch Münzen aus, auf denen die Kreuze abgebildet waren.

Fahne Katangas in der Zeit seiner Unabhängigkeit

Fahne Katangas in der Zeit seiner Unabhängigkeit

Einige vormünzliche Zahlungsmittel wie die Kupferkreuze stießen bei Ausländern (Siedler oder Händler) auf großes Interesse. Ausländer, die das Zahlungsmittel kontrollieren wollten, haben versucht, sie zu ihrem eigenen Nutzen einzusetzen. Die Kreuze wurden im 19. Jahrhundert insbesondere von den arabischen Großhändlern auf den Handelswegen bis nach Kenia an der Ostküste Afrikas verwendet.

Laura Pleuger
Museumsführerin

 

Bibliografie:

  • Coquet M., “De l’anthropologie de l’art”, in Journal des africanistes, tome 65, fascicule 2, 1995, p.229.
  • Kuhn G. & Rabus B., Geld ist, was gilt, München, Staatliche Münzsammlung München, 2009, p.38.
  • Lekime F., Katanga pays du cuivre, Verviers, Gérard, 1966, 208 p.
  • Rivallain J., “Paléomonnaies africaines: formes et fonctions. Actualité scientifique.” in Bulletin de la Société préhistorique française, tome 82, n°9, 1985, pp.265-269.
  • Rivallain J., “Monnaies d’Afrique: visions africaines et visions européennes”, in Revue numismatique, 6ème série, tome 157, 2001, pp.121-130.

One Comment

  1. physician assistant
    Posted Saturday, der 10. July 2010 at 06:50 | Permalink

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